Freitagspredigt

Die Heuchelei und der Verrat und ihr Einfluss auf die Individuen und Staaten

Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten, Dem in Seiner ehrwürdigen Schrift sagt:

„Die Heuchler und Heuchlerinnen gehören zueinander. Sie gebieten das Böse und verbieten das Gute; und ihre Hände bleiben geschlossen. Sie haben Allah vergessen, und so hat Er sie vergessen. Wahrlich, die Heuchler sind wahre Frevler.“ (Sure 9:67).

Ich bezeuge, dass es keinen Gott da außer Allah ohne Teilhaber gibt, und ich bezeuge, dass unser Prophet Muhammad Sein anbetend Diener und Gesandter ist, der sagte: „„Die Zeichen des Heuchlers sind drei: Wenn er spricht, so lügt er, wenn er etwas verspricht, so hält er es nicht, und wenn ihm etwas anvertraut wird, so veruntreut er es.“

Und nun zum Thema:

Untreue, Lügen, Verrat und Frevelhaftigkeit gehören zu den Merkmalen der Heuchler, wie der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Wer immer die folgenden vier Eigenschaften besitzt, ist ein reiner Heuchler, und wer nur eine davon hat, besitzt so lange eine heuchlerische Eigenschaft, bis er diese aufgibt: Wenn man ihm etwas anvertraut, verhält er sich untreu; wenn er spricht, lügt er; wenn er eine vertragliche Abmachung schließt, erfüllt er sie nicht; und wenn er mit jemandem streitet, benimmt er sich frevelhaft.“

Dies sind alles Merkmale, die auf die niederen Charakterzüge des Heuchlers hinweisen, denn er ist nicht wahrhaftig, weder mit sich selbst noch mit den anderen Menschen, mit denen er umgeht. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) bezeichnete diese Eigenschaften als Heuchelei vielleicht deswegen, weil man dadurch den Heuchlern ähnlich wird, indem man den Menschen etwas anderes zeigt, als man im Inneren verbirgt; jemand behauptet die Wahrhaftigkeit und weiß genau, dass er lügt; er gibt Treue vor und weiß, dass er untreu ist; er behauptet, dass er sein Versprechen hält, aber er kommt ihm nicht nach; er wirft seinen Gegnern Anschuldigungen vor und weiß, dass es alles unverschämt erlogen ist.

All seine Charakterzüge beruhen auf Betrug und Schwindel; es ist zu befürchten, dass solch ein Mensch der großen Heuchelei zum Opfer fällt, denn trotz der Tatsache, dass die praktische Heuchelei zu denjenigen Sünden gehört, die den anbetend Dienenden nicht von der Religion abfallen lässt, auch wenn sie sich in einem Menschen festwurzelt und dessen ganzes Benehmen in ständigen Betrug und Schwindel verwandelt, könnte dies einen dazu bringen, dass man sich gegenüber seinem Herrn ähnlich verhält wie gegenüber Seinen Geschöpfen, sodass Er als Strafe den Glauben aus seinem Herzen entfernt und ihn durch die Heuchelei ersetzt.

Allâh der Erhabene sagt: „Unter ihnen gibt es manche, die gegenüber Allâh eine Verpflichtung eingegangen sind: Wenn Er uns etwas von Seiner Huld gewährt, werden wir ganz gewiss Almosen geben und ganz gewiss zu den Rechtschaffenen gehören. Als Er ihnen aber von Seiner Huld gewährt hatte, geizten sie damit, und sie kehrten sich widerstrebend ab. So setzte Er als Folge davon in ihre Herzen Heuchelei bis zum Tag, an dem sie Ihm begegnen werden, dafür, dass sie gegenüber Allâh brachen, was sie Ihm versprochen hatten, und dass sie zu lügen pflegten.“ (Sure 9:75-77).

Deswegen waren die Prophetengefährten sehr vorsichtig und sie hielten sich von diesen Eigenschaften fern, damit sie nicht unter diese verpönte Bezeichnung fallen. Es wurde von Ibn Abû Mulaika (Allâh erbarme sich seiner) berichtet, dass er sagte: „Ich habe dreißig Gefährten des Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) erlebt, die alle die Heuchelei fürchteten.“

Das waren die Taten der Heuchelei und ihre Gefahren; sie zerstören die aufrichtigen gesellschaftlichen Bande und gründen die öffentlichen Beziehungen auf der Grundlage des Betrugs, der Täuschung und der Fälschung, und so verschwinden das Vertrauen und die Freundschaft im zwischenmenschlichen Umgang; Vertrauen und Treue werden durch Vorsicht und Aufmerksamkeit, sogar auch durch Misstrauen und Zweifel ersetzt.

Es ist zu bedauern, dass sich diese schlechten Eigenschaften sehr stark verbreiteten, sodass Al-Hasan Al-Basrî (Allah erbarme sich seiner) sagte: „Hätten die Heuchler Schwänze, wären die Straßen zu eng für euch geworden.“ Und das sagte er zu seiner Zeit, der Zeit der Nachfolgegeneration der Gefährten des Propheten; was würde er wohl sagen, wenn er unsere Zeit erlebte?!

Die Heuchelei ist in zwei Arten unterteilt:

Große Heuchelei

Hinsichtlich der Glaubensgrundlagen lässt diese Art der Heuchelei den Heuchler den Islam verlassen. Denn er tut seinen angeblichen Glauben vor den Leuten kund, während er den Unglauben in sich verbirgt. Allâh verdeutlicht uns, wie die Strafe dieser Heuchelei aussieht, wenn der Heuchler nicht vor dem Tode bereut:

„Gewiss, die Heuchler werden sich auf dem untersten Grund des Höllenfeuers befinden, und du wirst für sie keinen Helfer finden – ausgenommen diejenigen, die bereuen und sich bessern und an Allâh festhalten und ihre Religion aufrichtig für Allâh ausüben; jene werden mit den Gläubigen sein. Und Allâh wird den Gläubigen großartigen Lohn geben.“  (Sure 4:145-146).

Kleine Heuchelei

Im Bereich der Handlungen wird der Heuchler in diesem Falle nicht ungläubig. Die Eigenschaften der kleinen Heuchelei sind jene, die in authentischen Hadîthen überliefert sind:

„Die Zeichen des Heuchlers sind drei: Wenn er spricht, so lügt er, wenn er etwas verspricht, so hält er es nicht,  und wenn ihm etwas anvertraut wird, so veruntreut er es.“ (Al-Buchârî und Muslim).

In einer anderen Überlieferung heißt es:

„Wer von euch vier Dinge besitzt, der ist ein wirklicher Heuchler, und wer eine dieser Eigenschaften besitzt, besitzt eine Eigenschaft der Heuchelei, bis er von ihr ablässt: Wenn im etwas anvertraut wird, so veruntreut er es, wenn er spricht, so lügt er, wenn er etwas verspricht, so hält er sich nicht daran, und wenn er streitet, frevelt er.“

Diese Art der Heuchelei ist eine Sünde, die Allâh bestraft oder auch vergibt, gemäß Seinem Willen. So sagt Allâh:

„Allâh vergibt gewiss nicht, dass man Ihm etwas beigesellt. Doch was außer diesem ist, vergibt Er, wem Er will. Wer Allâh etwas beigesellt, der ist fürwahr weit abgeirrt.“ (Sure 4:116).

So soll der anbetend Dienende reumütig mit reiner und aufrichtiger Absicht zu Allâh zurückkehren. Er soll seine Sünden bereuen, besonders die Sünden hinsichtlich der Heuchelei, da derjenige, der seine Sünden bereut, wie jener ist, der keine Sünden besitzt.

Heuchlerische Frömmelei macht Handlungen zunichte und gilt als Grund für Verhasst-Sein bei Allâh dem Erhabenen. Zudem zählt sie zu den Todsünden.

Wenn dem mithin so ist, dann muss sie unbedingt beseitigt werden, selbst wenn man sich dafür anstrengen und Mühen auf sich nehmen muss.

Al-Ghazâlî erwähnte, dass man sich von heuchlerischer Frömmelei durch zwei Dinge befreien könne:

  1. Entfernung der Ursachen, aus denen sie entsteht und
  2. Abwehren dessen, was einem in einer bestimmten Situation in den Sinn kommt.

Dazu erwähnte er, dass ihr Ursprung in der Liebe zu Rang und Status liege. Bei zu starkem Vorhandensein führe sie dazu, dass man Genuss daran empfinde, gelobt zu werden, vor dem Schmerz der Kritik fliehe und nach dem verlange, was sich in den Händen der Leute  befindet. Und als Beleg für das, was er hier erwähnte, führte er die folgende Überlieferung von Abû Mûsâ an, in der es heißt:

„Ein Beduine fragte den Propheten (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken): »O Allâhs Gesandter! Kämpft ein Mann  aus Feuereifer?«“

„Das bedeutet, dass er es verschmäht, überwältigt zu werden, und es missbilligt, ein Überwältigter zu sein.“ – „Des Weiteren fragte er [der Beduine]: »Und kämpft ein Mann, damit sein Platz gesehen wird?«“ „Dabei handelt es sich um das Verlangen nach dem Genuss durch Rang und Wertschätzung in den Herzen. [Des Weiteren heißt es im Hadîth:] „Und kämpft ein Mann um der Erwähnung willen?“

„Hier geht es um das Lob durch Worte. Der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) erwiderte: „Wer kämpft, damit Allâhs Wort das höchste ist, der ist auf dem Weg Allâhs.“

Was das Abwehren dessen, was einem in einer bestimmten Situation in den Sinn kommt, betrifft, so erfolgt dies, indem man gegen sein Ego ankämpft und die Dinge im Herzen, die zu heuchlerischer Frömmelei führen, entfernt, indem man genügsam ist, die Gier unterbindet, sich den Blicken der Menschen entzieht und sowohl (unangebrachten) Tadel als auch Lob durch andere Menschen geringschätzt.

Was die Behandlung der Härte des Herzens angeht:

  1. Durch den ehrwürdigen Quran

Denn er ist eine Heilung für das, was im Herzen an Zweifeln vorhanden ist, und er beseitigt, was sie an Formen des Beigesellens beinhalten. Zudem belegt er das Leugnen des Islâm und in Form von Zweifeln und Gelüsten vorhandene Krankheiten mit einem Makel. Er ist eine Rechtleitung für den, der die Wahrheit kennt und dementsprechend handelt. Und durch die sofort und auch später eintretende Belohnung ist er eine Barmherzigkeit für die den Glauben Verinnerlichenden.

„Ist denn der, der tot war, und den Wir dann lebendig gemacht und dem Wir ein Licht gegeben haben, worin er unter den Menschen geht, wie einer, dessen Gleichnis das jemandes ist, der sich in Finsternissen befindet, aus denen er nicht herauskommt…“ (Sure 6:122).

  1. Durch Dinge, die dafür sorgen, dass es bekommt, was es täglich an Grundnahrung und Substanz benötigt. Dies geschieht durch den Glauben, rechtschaffenes Handeln und regelmäßig verrichtete Taten des Gehorsams.
  2. Durch Schutz vor schädigenden Einflüssen. Dies erfolgt durch das Meiden von Sünden und Fehlverhalten aller Art.
  3. Durch Befreiung von allem, was es negativ beeinträchtigt hat. Dies geschieht durch Buße und Bitten um Vergebung.

Wir raten jedem Muslim Allâh zu fürchten, sich immer bewusst zu machen, dass Allâh einen beobachtet und dass man sich von allen Eigenschaften der Heuchelei fernhält und darauf Acht gibt, sich nicht solche Eigenschaften anzueignen. Man soll vielmehr diese schlechten Eigenschaften durch gute ersetzen, die die Gläubigen besitzen, dass man also seine Taten nur für Allâh verrichtet, die Wahrheit spricht, zuverlässig ist, Versprechen einhält etc. Dies sind die Eigenschaften der Paradiesbewohner.

Ich bitte Allah für mich und für euch um Vergebung!

***

Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten!

Die Heuchelei ist eine der schlimmsten Eigenschaften, die jemand haben kann. Der schlimmste Heuchelei ist die Heuchelei im Glauben. Dies ist der Fall, wenn jemand mit der Zunge seinen Glauben bekundet, aber im Herzen eigentlich ungläubig oder sogar feindlich gesinnt ist.

Der Islam verurteilt Heuchelei. Ein Muslim kann diese Eigenschaft nicht besitzen. Auf den ersten Seiten der Sure Bakara werden in zwei Versen die Muslime, in fünf Versen die Kâfirûn, aber in 13 Versen die Heuchler, also die Heuchler, beschrieben. In anderen Koranversen werden die Heuchler angesprochen und gewarnt. An zwei Stellen heißt es: „Manche Menschen sprechen wohl: ‚Wir glauben an Allah und an den Jüngsten Tag’; doch sind sie keine Gläubigen.“ „Siehe, die Heuchler sollen in der tiefsten Tiefe des Feuers sein, und für sie findest du niemals einen Helfer.“

Die Heuchler werden deshalb so hart bestraft, weil sie sich gegenüber den Muslimen als Gläubige ausgeben, in Wirklichkeit aber Feinde Allah, des Gesandten und der Gläubigen sind.

Liebe Geschwister!

Laut den Gelehrten ist der Heuchelei im Herzen Kufr und der Heuchelei in den Handlungen eine große Sünde.

Heuchelei kann also danach unterschieden werden, ob sie sich auf den Glauben oder auf die Taten bezieht. Wer in seinem Glauben heuchelt, wird im Diesseits zwar als Muslim angesehen, muss aber im Jenseits mit einer Strafe rechnen. Denn Heuchler säen Zwietracht und hetzen die Gemeinschaft gegeneinander auf. Ihre Situation wird im Koran wie folgt beschrieben: „Spricht man zu ihnen: ‚Stiftet kein Unheil auf der Erde’, so sagen sie: ‚Wir sind ja die Rechtschaffenen.’“

„Sagt man zu ihnen: ‚Glaubt, wie die Leute gläubig wurden’, so sprechen sie: ‚Sollen wir glauben, wie die Toren glaubten?’ Wenn sie mit den Gläubigen zusammentreffen, so sagen sie: ‚Wir glauben’; sind sie aber mit ihren Teufeln allein, so sprechen sie: ‚Siehe, wir stehen zu euch und treiben nur Spott.’“

Ein weiterer Grund für ihre Bestrafung im Jenseits ist ihr Versuch, Ibâdas vorzutäuschen, die sie eigentlich im Herzen verabscheuen. Im Koran heißt es: „Siehe, die Heuchler wollen Allah überlisten; doch er überlistet sie. Wenn sie im Gebet stehen, stehen sie nachlässig da, um von den Leuten gesehen zu werden, und gedenken Allahs nur wenig.

O Allah, reinige unsere Herze von der Heuchelei, unsere Augen vom Verrat, unsere Zungen vom Lügen und bewahre Ägypten und seine Einbewohner!

Die allgemeinen Regeln und Morale der Gesellschaft und ihr Einfluss auf deren Fortschritt

Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten, Dem in Seiner ehrwürdigen Schrift sagt:

„Sprich: „“Wahrlich, mich hat mein Herr auf einen geraden Weg geleitet – zu dem rechten Glauben, dem Glauben Abrahams, des Aufrechten. Und er war keiner der Götzendiener.“““ (Sure 6:161).

Ich bezeuge, dass es keinen Gott da außer Allah ohne Teilhaber gibt, und ich bezeuge, dass unser Prophet Muhammad Sein anbetend Diener und Gesandter ist, der sagte: „Mein Herr hat mich auf beste Art und Weise erzogen.“

Und nun zum Thema:

Einer der wichtigsten Aspekte im Leben eines Muslims ist die Erlangung eines hohen moralischen Niveaus. Seit Beginn des Islam befasste sich der Prophet  haupt- sächlich damit, die Muslime zu lehren und (dahingehend) zu disziplinieren, dass sie die besten Manieren und Charaktermerkmale besitzen würden. Sein Privatleben und sein Verhalten spiegelten seine ihm von Allah offenbarten Lehren wider. Im edlen Quran beschreibt Allah den Propheten Muhammad mit den Worten: „Und du bist wahrlich von großartiger Wesensart.“ (Sure 68:4)

Das hohe Niveau des Propheten  machte ihn zu einem Vorbild für alle Muslime. Der Gesandte Allahs  pflegte zu betonen, wie wichtig gute Manieren für die Muslime sind. Er  sagte: „Der beste unter euch ist derjenige mit den besten Manieren.“ (Al-Bucharî, Muslim) In einer anderen authentischen Überlieferung sagte der Prophet Möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlgefallen schenken : „Das schwerste Gewicht, das am Tag des Gerichts in die Waage des Gläubigen gelegt wird, wird das gute Verhalten sein. Und Allah verabscheut denjenigen, der schlechte Worte benutzt.“ (Al-Baihaqî)

Jemand fragte den Propheten , welche Tat einen Mann ins Paradies bringen würde, er  antwortete: „Gottesfurcht (Frömmigkeit) und gutes Benehmen.“

In anderen Erzählungen unterschied der Prophet  die Muslime aufgrund ihres Verhaltens; der Prophet  sagte: „Der vollkommenste unter den Muslimen im Glauben ist derjenige mit dem vorzüglichsten Verhalten. Und die besten von euch sind diejenigen, die ihre Frauen am besten behandeln.“

Er  erklärte auch, dass die Menschen aufgrund ihrer guten Manieren verschiedene Stufen im Paradies erlangen können, indem er sagte: „Der liebste Mensch und derjenige, der mir am Tag der Auferstehung am nächsten sein wird, ist derjenige mit dem besten Benehmen.“

Im Folgenden sollten wir über die Moral im Islam sprechen und wie sie sich von anderen moralischen Systemen unserer Zeit unterscheidet.

Im Gegensatz zu anderen Systemen wird das moralische System des Islam von einer göttlichen Quelle hergeleitet. Diese göttliche Quelle ist die Offenbarung Allahs. Daher kann dieses System nicht geändert oder manipuliert werden, um es an unsere Wünsche anzupassen. Es gilt unabhängig von Ort und Zeit. Dieses System wurde seit tausenden von Jahren nicht geändert, es kann heute nicht geändert werden und wird niemals geändert werden, bis zum Tage des Jüngsten Gerichts. Niemand darf das System abändern, selbst wenn die ganze Welt dies tun wollte. Was in der Vergangenheit als Moral betrachtet wurde, wird über alle Zeiten als gute Moral erhalten bleiben.

Was umgekehrt in der Vergangenheit als schlecht galt, wird für immer so bleiben, selbst wenn die Gesellschaft es als Norm betrachtet. Das moralische System wird nicht von kulturellen Normen beeinflusst, denn Allah ist derjenige, der bestimmt (und weiß), was akzeptabel ist und was nicht.

Der edle Quran ist in dieser Hinsicht sehr detailliert und erwähnt deutlich die Wichtigkeit guten Benehmens, ebenso wie er die Wichtigkeit des Glaubens, des Gottesdienstes und all unserer alltäglichen Angelegenheiten erwähnt.

Der edle Quran nennt wiederholt mehrere sittlich gute Taten, wie zum Beispiel:

– Die Behandlung der Eltern auf die beste Art und Weise

– Nett zu sein zu den Verwandten und Nachbarn

– Die Fürsorge für Waisen und Bedürftige

– Ehrlich zu sein

– Immer eine aufrichtige Absicht zu haben

– Versprechen zu erfüllen

– Die faire Behandlung aller Menschen

Der edle Quran geht sogar so weit, uns beizubringen, wie wir gehen sollen. Allah sagt: „Halte das rechte Maß in deinem Gang und dämpfe deine Stimme, denn die widerwärtigste der Stimmen ist wahrlich die Stimme der Esel.“ (Sure 3:19)

Weiterhin sagt Allah: „Die Diener des Allerbarmers sind diejenigen, die maßvoll auf der Erde umhergehen und die, wenn die Toren sie ansprechen, sagen: „Frieden!““ (Sure 25:63)

Sogar von den angemessen Anstandsregeln beim Besuch anderer Personen berichtet der edle Quran. Allah sagt: „O die ihr glaubt, betretet nicht andere Häuser, die nicht eure (eigenen) Häuser sind, bis ihr euch bemerkbar gemacht und ihre Bewohner begrüßt habt. Das ist besser für euch, auf dass ihr bedenken möget!“ (Sure 24:27)

Der Quran lehrt uns ebenfalls, wie wir uns bei Versammlungen zu verhalten haben. Allah sagt: „O die ihr glaubt, wenn zu euch gesagt wird: „Macht Platz!“ in den Versammlungen!, dann schafft Platz, so schafft auch Allah euch Platz. Und wenn gesagt wird: „Erhebt euch!“, dann erhebt euch eben, so erhöht auch Allah diejenigen von euch, die glauben, und diejenigen, denen das Wissen gegeben worden ist, um Rangstufen. Und Allah ist dessen, was ihr tut, Kundig.“ (Sure 58:11)

Wenn wir die Reden und Taten des Propheten  tatsächlich praktizieren würden, würden wir merken, dass einige Lektionen bezüglich des Essens, Trinkens, sich Kleidens, Schlafens, für die Reise, das Grüßen, das Einholen einer Erlaubnis, sogar für das Niesen, Gähnen und anderen scheinbar belanglosen Taten, gelernt werden müssen.

Im Gegensatz zu anderen ethischen Systemen ist das moralische System des Islam ein sehr detailliertes und vollkommenes Paket. Der Islam spricht alle Aspekte des menschlichen Lebens an, egal wie unbedeutend ein Aspekt auch erscheinen mag. Er ist ein komplettes Paket – es fehlt nichts, was ergänzt werden müsste, noch hat es Mängel, die behoben werden müssten.

Die islamische Religion leitet unsere Moralvorstellungen, sei es in Bezug auf das Individuum, die Gemeinschaft, sowie in Bezug auf die Muslime und die Nicht-Muslime. Sie gibt uns auch eine Anleitung dafür, wie man mit Herrschern umgeht und wie man Gelehrte respektiert und ehrt. Der Islam lehrt uns ferner, wie man sich in Zeiten des Friedens und des Krieges verhält.

Sogar der Umgang mit Tieren wird uns beigebracht. Der Prophet  sagte: „Fürchte Allah bei der Behandlung von Tieren: kümmert euch um sie, haltet sie gesund, egal ob ihr auf ihnen reitet oder sie wegen ihres Fleisches aufzieht.“

In einer anderen Überlieferung sagte der Prophet : „Wenn ihr ein Tier schlachtet, schlachtet es auf die beste Art und Weise. Ihr sollt erst euer Messer schärfen und das Tier beruhigen.“

Einmal fragten die Gefährten den Propheten : „Werden wir dafür belohnt, wenn wir Tiere gut behandeln? Er sagte: Ja, natürlich werdet ihr für jedes lebendige Wesen belohnt, wenn ihr es gut behandelt.“

Kein anderes ethisches System kann an das des Islam heranreichen und nur Allah kann – dank seiner unendlichen Weisheit – solch ein System erschaffen, das die Menschen lehrt, wie sie in jedem Moment ihres Lebens vorzugehen haben.

Dies ist so, weil der Islam kein von Menschenhand geschaffenes System ist; es ist die Religion Allahs. Er hat sie vollkommen und umfassend gemacht. Kein Mensch hat je, kann je oder wird je ein System erschaffen, das so perfekt ist.

Wenn du also ein erfolgreiches und glückliches Leben führen willst, dann wende den Islam in deinem Leben an und du wirst wunderbare Resultate erzielen.

Die Sittenlehre im Islam basiert vollständig auf den Offenbarungsschriften und dem Beispiel des Lebens des Propheten Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken). Es gibt zwei Konzepte, die jeden Aspekt der islamischen Sittenlehre durchziehen: Das Konzept des Tauhîd (der alleinigen Verehrung des Schöpfers) und die eigentliche Bedeutung des Wortes Muslim (sich Allah ergeben). Muslime glauben an die Existenz von Gutem und Bösem, und Muslime streben in jedem Aspekt ihres Lebens danach, Gutes zu tun. Muslime glauben außerdem an die Willensfreiheit und die Tatsache, dass jeder Mensch die Fähigkeit hat, Allah selbst zu erkennen.

Dennoch irren die Menschen vom Weg Allahs ab. Im Quran werden wir darüber informiert, dass Menschen auf Grund ihres Bedarfs an materiellen Annehmlichkeiten von Allah abirren. Aus diesem Grunde stimmt der Islam mit den Lehren Jesu überein und betrachtet es als Abirren vom Wege Allahs, wenn man sich auf das Anhäufen von Vermögen und das Erlangen von Macht konzentriert. Der Islam lehrt auf seiner elementarsten Ebene, dass es nur einen Gott gibt, und wenn man in seinem Leben irgendeiner anderen Sache außer Allah mehr Gewicht verleiht, dass dies bedeutet, vom richtigen Weg abzukommen.

Islamische Sittenlehren waren zur Zeit der Quran-Offenbarung an den Propheten Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sehr nützlich, um die Probleme der Araber zu lösen. Die Araber waren eine Stammesgesellschaft mit patriarchalischen Herrschern. Der Gedanke der Umma, durch die alle Muslime zu einer Gemeinschaft vereint wurden, half dabei, diese Gesellschaft zu verändern. Der strikte Monotheismus im Islam half außerdem dabei, die vielen barbarischen Gepflogenheiten, die als Teil der Anbetung von Götzen und animistischen Göttern weitverbreitet waren, abzuschaffen. Die islamische Ethiklehre lehnt außerdem übertriebenen Chauvinismus oder „Muru’a“ (was als Männlichkeit oder Machohaftigkeit übersetzt wird) ab. Beim Islam geht es nicht um Gewalt, Prahlerei und Ungestüm, sondern um Demut, Mitgefühl und Streben nach Frieden.

Eines der wichtigsten Elemente islamischer Ethiklehre ist die persönliche Verantwortung. Der Islam lehrt, dass jeder einzelne Mensch seinem eigenen Weg zu Allah folgt. Im Islam gibt es keine Vermittler zwischen dem Menschen und Allah. Es gibt keine assoziierten Götzen oder Heilige, die sich bei Allah einsetzen. Es gibt keinen Zwang, dem Weg Allahs zu folgen. Beim Islam geht es vollständig um die Moral, die ethische Entscheidung, die jeder Mensch in seinem Herzen treffen muss, und um das Umsetzen dieser Entscheidung in die Tat. Der Islam lehrt, dass das Schicksal eines jeden Menschen im jenseitigen Leben eine direkte Folge der eigenen Entscheidung ist. Zweifelsfrei ist die Grundlage eines islamischen Ethiksystems direkt mit den Lehren des Quran und des Propheten Muhammad (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) verbunden. Der Islam ist eine Lebensweise, eine Praktik, sich dem Willen Allahs in jedem Aspekt des Lebens zu fügen. Die eigenen Moralvorstellungen sind dabei absolut keine Ausnahme.

Ich bitte Allah für mich und für euch um Vergebung!

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Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten!

Der Islam hat bestimmte allgemeingültige und grundlegende Richtlinien für die gesamte Menschheit aufgestellt, welche unter allen Umständen zu befolgen und zu respektieren sind. Um diese Richtlinien einzuhalten, sieht der Islam nicht nur die Absicherung durch das Gesetz, sondern auch ein sehr wirkungsvolles moralisches System vor. Demgemäß ist alles, was auch immer zum Wohlergehen des Einzelnen oder der Gesellschaft führt, im Islam moralisch gut und alles Schädliche moralisch schlecht. Der Islam misst der Liebe zu Allah und der Liebe zum Menschen viel Wert bei. Gleichzeitig warnt er davor zuviel auf Äußerlichkeiten zu achten. Wir lesen im Quran:

„Nicht darin besteht die Güte, dass ihr eure Gesichter gegen Osten oder Westen wendet. Güte ist vielmehr, dass man an Allah, den Jüngsten Tag, die Engel, die Bücher und die Propheten glaubt und vom Besitz – obwohl man ihn liebt – der Verwandtschaft, den Waisen, den Armen, dem Sohn des Weges, den Bettlern und für (den Loskauf von) Sklaven hergibt, das Gebet verrichtet und die Abgabe entrichtet; und diejenigen, die ihre Verpflichtung einhalten, wenn sie eine eingegangen sind, und diejenigen, die standhaft bleiben in Not, Leid und in Kriegszeiten, das sind diejenigen, die wahrhaftig sind, und das sind die Gottesfürchtigen.“ (Sure 2:177)

Uns wird in diesem Quranvers eine schöne Beschreibung des rechtschaffenen und gottesfürchtigen Menschen gegeben. Er soll zwar wohlergehenbringenden Vorschriften gehorchen, aber seine Aufmerksamkeit soll er auf die Liebe zu Allah und zu seinen Mitmenschen richten.

Wir können vier Hauptpunkte festhalten:

  • Unser Bekenntnis soll wahrhaftig und aufrichtig sein.
  • Wir müssen es durch hilfreiche Taten anderen gegenüber unter Beweis stellen.
  • Sowohl im Gebet als auch in unserer Hilfe für andere sollten wir uns nach Möglichkeit mit Gleichgesinnten zusammentun.
  • Unsere Standhaftigkeit und Geduld sollen sich vor allem bei drei Gelegenheiten manifestieren: bei körperlichen Schmerzen oder Leiden, bei jeder Art Not und in Zeiten öffentlicher Drangsal.

Das ist der Maßstab, mit dem die einzelnen Verhaltensweisen beurteilt und in gut oder schlecht eingeteilt werden. Dieser Beurteilungsmaßstab bildet den Kern, des gesamten moralischen Verhaltens.

Bevor der Islam irgendwelche expliziten Befehle erteilt, strebt er es an, tief in das Herz des Menschen die Überzeugung einzupflanzen, dass sich sein Tun vor Allah abspielt, der ihn jederzeit und allerorten sieht; so dass er sich zwar vor allen Menschen verstecken kann, nicht aber vor Allah; so dass er jeden täuschen kann, niemals aber Allah; so dass er dem Griff eines anderen entfliehen kann, sich aber Allah nicht entziehen kann.

Dadurch, dass er das Erlangen von Allahs Wohlgefallen zum Zweck des menschlichen Daseins erklärt, zeigt der Islam die höchstmögliche Norm sittlichen Verhaltens auf. Dies schafft zwangsläufig eine endlose Zahl von Möglichkeiten der moralischen Entfaltung für die Menschheit.

Die Betrachtung der göttlichen Offenbarung als der Hauptquelle des Wissens gibt den moralischen Normen Beständigkeit und Stabilität, wobei zwar ein angemessener Spielraum besteht für mit der Wahrheit im Einklang stehende Bearbeitungen, Anpassungen und Neuerungen, nicht aber für Verdrehungen, willkürliche Veränderungen, aufgelösten Relativismus oder moralische Haltlosigkeit. Der Islam verschafft in der Liebe zu und in der Furcht vor Allah eine innere Bindung zu sittlichem Verhalten, was den Menschen antreibt, auch ohne jeglichen Zwang von außen Folge zu leisten. Durch den Glauben an Allah und an den Tag des Jüngsten Gerichts gewährt der Islam eine Kraft, die es einem Menschen ermöglicht, sich ernsthaft und aufrichtig, mit tiefer Frömmigkeit des Herzens und der Seele, um sittliches Verhalten zu bemühen.

O Allah, lass uns die besten Charakterseigenschaften erfreuen und leite uns zur geraden Weg recht!

Die Zusammenarbeit und ihre Regeln

Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten, Dem in Seiner ehrwürdigen Schrift sagt:

„Und sprich:“Wirket! Allah wird euer Werk schauen, und so Sein Gesandter und die Gläubigen. Und zurück sollt ihr gebracht werden zu dem Kenner des Verborgenen und des Offenbaren; dann wird Er euch verkünden, was ihr zu tun pflegtet.“.“ (Sure 9:105).

Ich bezeuge, dass es keinen Gott da außer Allah ohne Teilhaber gibt, und ich bezeuge, dass unser Prophet Muhammad Sein anbetend Diener und Gesandter ist.

Und nun zum Thema:

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er neigt zur Gesellschaft mit anderen, um seine Interessen und seine Wünsche, dies kommt nur durch die Zusammenarbeit mit anderen zustande, wenn man als Individuum einer Gesellschaft  lebt. Die Interessen der Individuen, der Moschee, der Gemeinschaft etc. können nur in Zusammenarbeit auf der Grundlage von Frömmigkeit und demütiger Ehrfurcht gegenüber Allah durchgesetzt werden. Mit einem einzigen Pfeil betreten eventuell drei Leute das Paradies. Wenn ihn der Erste nicht herstellt und der Zweite nicht vorbereitet, hat der Dritte nichts zu schießen. Daher benötigt man Gruppenarbeit, um das Ziel zu verwirklichen. Wenn wir die Ameisen und Bienen betrachten, sehen wir, dass es dort genauso ist. Damit wir den Honig aus der Wabe ernten können, arbeiten die Bienen in einem bestimmten Ablauf. Es gibt Königinnen, Arbeiterinnen und Drohnen. Wir können diesen Honig nicht nur durch die Arbeit der Königinnen erhalten. So muss sich der Muslim in seiner Gesellschaft mit seinen Brüdern verhalten. Es darf ihn nicht kümmern, ob sie ihn an den Anfang,  oder an die Nachhut gestellt haben. Er macht seine Arbeit auf die beste Weise und ist Allah in allen Dingen gegenüber aufrichtig.

Man hat festgestellt, dass die Leute, wenn sie nicht durch das Recht vereint, durch das Falsche geteilt werden. Und wenn sie das anbetende Dienen Allahs nicht vereint, zerreißt sie die das anbetende Dienen des Teufels. Und wenn sie die Gnadenerweise des Jenseits nicht locken, ringen und streiten sie über die vergänglichen Genüsse des weltlichen Lebens. So ergeht es leider einigen unter uns heutzutage, der Eine hegt Hass gegen den Anderen. Wenn dies nicht geschieht, ist es bloß ein flüchtiges Kompliment. Der Grund dafür ist der schwache Verstand: „Du meinst, sie halten zusammen, doch ihre Herzen sind verschieden. Dies (ist so), weil sie Leute sind, die nicht begreifen.“ (Sure 59:14).

Die Verbindung, die uns zu einem einzigen Körper werden lässt, ist die Verbindung des Islam. Ohne diese sind wir wie in der Zeit der vorislamischen Ignoranz oder noch schlimmer. Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Kehrt nach mir nicht zum Kufr zurück, indem ihr euch gegenseitig die Köpfe abschlagt!“ Überliefert von Al-Buchari und Muslim.

Angesichts des religiösen Zusammenhalts zerfallen die Verbindungen der Abstammung, des Nationalismus, des Patriotismus, der Parteizugehörigkeit und jeder Form des Fanatismus für falsche Werte. Allah der Erhabene sagt: „Und haltet alle fest am Seil Allahs und geht nicht auseinander! Und gedenkt Allahs Gunst an euch, als ihr Feinde wart und Er dann eure Herzen zusammenführte, worauf ihr durch Seine Gunst Brüder wurdet…“ (Sure 3:103).

Wir erleben eine Epoche, in der die muslimische Gemeinschaft unterschiedlichen Bedrohungen ausgesetzt ist.

Wir leugnen nicht, dass die Gründe unserer Schwäche und heutigen Spaltung, die den Gegnern die Macht über uns verliehen haben, zahlreich sind. Dies alles hindert uns aber nicht daran, aktiv zu sein und uns auf einen Anfang zu konzentrieren. Unsere Differenzen hinsichtlich Meinungen, Rechtsschulen, König, Politik und persönliche Vorstellungen dürfen uns nicht daran hindern, die Brüderlichkeit im Glauben zu verwirklichen und auf der Grundlage von Frömmigkeit und demütiger Ehrfurcht gegenüber Allah zusammenzuarbeiten. Anstatt dessen sollten wir alle diese Differenzen als Folge dieses großen ursprünglichen Problems sehen. Das Interesse der Vereinigung ist ein holistisches Interesse. Die Forderung der Religion nach Einigkeit und ihr Verbot, uns zu spalten, sind wichtiger und werden allem vorangestellt. So verhält sich, wer die Grenzen Allahs einhält und das Ausmaß der Gefahren erkennt, die seine Umma bedrohen. Das Blut eines Muslims ist gleichwertig mit dem irgendeines anderen Muslims, selbst der geringste unter ihnen befindet sich in ihrem Schutz. Sie sind eine Hand gegen ihre Gegner. Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Der Gläubige ist für den Gläubigen wie ein Mauerwerk. Sie halten sich gegenseitig.“ Dann verschränkte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) seine Finger ineinander.

Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Wer einem Gläubigen eine weltliche Sorge nimmt, dem nimmt Allah eine Sorge des Jüngsten Tages. Und wer einer Person in Schwierigkeiten Erleichterung verschafft, dem verschafft Allah im Diesseits und im Jenseits Erleichterung. Und wer eine Sünde eines Muslims verheimlicht, dessen Sünden verheimlicht Allah im Diesseits und im Jenseits. Und Allah hilft dem anbetend Dienenden, solange der anbetend Dienende seinem Glaubensbruder hilft.

In einem weiteren Hadith heißt es: „Jeder, der einen Muslim in Situationen im Stich lässt, in denen dessen Ehre verletzt und dessen Unverletzlichkeit missachtet wird, den wird Allah dann im Stich lassen, wenn er Seine Hilfe erhofft. Und jeder, der einen Muslim in Situationen unterstützt, in denen dessen Ehre verletzt und dessen Unverletzlichkeit missachtet wird, den unterstützt Allah dann, wenn er Seine Hilfe erhofft.“

Als einige Leute am Tag der Belagerung des Hauses von Uthman den Kalifen Uthman ibn Affan töten wollten, kam Abdullah ibn Salam. Uthman fragte ihn: „Warum bist du gekommen?“ Er entgegnete: „Ich bin gekommen, um dir zu helfen.“ Er sagte: „Geh zu den Menschen hinaus und jage sie von mir weg! Du nützt mir mehr, wenn du hinausgehst, als wenn du drinnen bleibst.“ Abdullah ging zu den Menschen hinaus und sagte unter anderem: „Allah hat wahrhaftig ein Schwert, das Er nicht gegen euch zückt. Und die Engel sind wahrhaftig neben euch in eurer Stadt, in der euer Prophet sich niederließ. So fürchtet Allah, fürchtet Allah um diesen Mann [Uthman], hütet euch, ihn zu töten! Bei Allah! Wenn ihr ihn tötet, verjagt ihr eure Nachbarn, nämlich die Engel, und zückt das vor euch geschützte Schwert Allahs heraus, das dann bis zum Tag der Auferstehung nicht mehr in seiner Scheide stecken wird.“

Als Ibn Muldscham Al-Charidschi auf Ali  eingestochen hatte, betrat dieser sein Haus und verlor das Bewusstsein. Als er wieder zu sich gekommen war, rief er Al-Hasan und Al-Husain  zu sich und sagte: „Ich rate euch, Allah den Erhabenen, zu fürchten und nach dem Jenseits und der Enthaltsamkeit im Diesseits zu streben. Trauert nichts hinterher, was euch in ihm entgangen ist, denn ihr werdet es verlassen! Tut das Gute! Rechnet mit dem Ungerechten ab und helft dem ungerecht Behandelten!“ Dann rief er seinen Sohn Muhammad und fragte ihn: „Hast du gehört, was ich deinen Brüdern geraten habe?“ Er antwortete: „Ja!“ Er sagte: „Das rate ich auch dir!“

Man erzählt, dass eine Frau, als sie in Gefangenschaft geraten und ihre Ehre beschmutzt worden war, rief: „O Mu’tasim!“ Als Mu’tasim dies erfuhr, bestieg er, ohne zu zögern, sein Pferd und das Heer folgte seinen Spuren, bis Amorion eingenommen wurde. Dann fragte Mu’tasim: „Wo ist die, die gerufen hat?“

Umar ibn Al-Chattab befürchtete, dass eine Ziege im Tal des Euphrat stolpern könnte und er am Jüngsten Tag gefragt werden könnte, warum er ihr nicht den Weg geebnet habe. Wie fürchtete er dann erst, dass ein Muslim stolpern oder zu Unrecht getötet werden würde?

Uwais ibn Amir, der Beste unter den Schülern der Prophetengefährten, bat seinen Herrn um Vergebung, weil er die Nacht gesättigt verbrachte, obwohl es auf der Erde durstige und hungrige Seelen gab.

In der Zeit, in der die Religion als fremd empfunden wird, sind manche so töricht geworden, dass sie den Feinden des Islam und den Feinden der Muslime helfen und diese sogar mit allen Mitteln unterstützen. In einer Zeit, in der die Feinde unsere Frauen zu Witwen und unsere Kinder zu Waisen machen, unsere Ehre verletzen, unsere Länder besetzen und weder unsere Verwandtschaft noch unsere Verträge beachten. Möge ein derartiger Muslim doch zum Islam zurückkehren, mit dem Gesetz seines Herrn regieren und sich um die Bedürfnisse der Muslime kümmern! Wer sich nämlich nicht für die Angelegenheiten der Muslime interessiert, gehört nicht zu ihnen. Solche Personen erinnern wir an die folgende Aussage Allahs des Erhabenen: „… Helft einander zur Güte und Gottesfurcht, aber helft einander nicht zur Sünde und feindseligem Vorgehen …“ (Sure 5:2).

Zu guter Letzt: es ist allgemein bekannt, dass die Angelegenheiten der Menschen untereinander nicht geregelt werden, sie keine Eintracht erlangen werden und ihr Feind sie nicht respektieren wird, bis es eine islamische Solidarität gibt, deren Wesen in der Zusammenarbeit auf den Grundlagen der Frömmigkeit besteht sowie in der demütigen Ehrfurcht gegenüber Allah, der Integration, der Solidarität, des Mitgefühls und der Aufrichtigkeit in der Religion der Wahrheit und in der Geduld. Dies gehört ohne Zweifel zu den wichtigsten islamischen Aufgaben und den verbindlichsten Pflichten. Möge Allah alle zur Arbeit mit Seiner Rechtleitung und zum Streben nach Gutem für Land und Leute verhelfen!

Ich bitte Allah für mich und für euch um Vergebung!

***

Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten!

Geschwister im Islam:

Dem Wort Gemeinschaft werden bestimmte Nebenbedeutungen zugeschrieben, die teils romantisch und nostalgisch, teils abfällig und reaktionär sind. Da wir jedoch die Grundlagen behandeln möchten, werden wir unsere Erörterung auf die grundlegendsten Bedeutungen des Wortes Gemeinschaft beschränken.

In einem grundlegenden Sinne bedeutet der Begriff Gemeinschaft „Alle Beziehungsarten, die durch ein hohes Maß an persönlicher Intimität, emotionaler Tiefe, moralischen Verpflichtungen, sozialem Zusammenhalt und zeitlicher Kontinuität gekennzeichnet sind…. Sie sind in… Gegenden, Religionen, Nationen, Rassen, Berufen oder (gemeinschaftlichen Angelegenheiten) zu finden.

Die islamische Gemeinschaft hat einen historischen Auftrag, der weit über bloßes Überleben, reine Macht, Fortpflanzung oder physiologisches Fortbestehen hinausgeht. Dieser Auftrag wird im ehrwürdigen Quran wie folgt beschrieben:

Und es soll aus euch eine Gemeinschaft werden, die zum Guten aufruft, das Rechte gebietet und das Verwerfliche verbietet. Jene sind es, denen es wohl ergeht. (Sure 3:104). Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist. Ihr gebietet das Rechte und verbietet das Verwerfliche und glaubt an Allah… (Sure 3:110).

Die historische Rolle der islamischen Gemeinschaft besteht darin, die wahre Verkörperung der Tugend, des Förderlichen und Edlen zu sein. Eine wirklich islamische Gemeinschaft ist der wachsame Hüter der Tugend und der erbitterte Feind der Untugend. Was von der Gemeinschaft insgesamt verlangt wird, wird gleichermaßen von jedem einzelnen Mitglied verlangt. Dies liegt daran, dass die gesamte Gemeinschaft ein homogenes Gebilde und jedes Mitglied vor Allah verantwortlich ist. Die Rolle des einzelnen Muslims wird mit folgender Aussage des Propheten bestens beschrieben:

Wer von euch etwas Schlechtes sieht, der soll es eigenhändig ändern. Wenn er das nicht kann, dann mit seiner Zunge. Und wenn er das nicht kann, dann mit seinem Herzen. Und dies ist der schwächste Glauben.

Wie man sehen kann, ist diese Beschreibung sehr aussagekräftig und umfassend. In der heutigen Zeit revolutionärer Medien kann niemand, der bei vollem Verstand ist, die Macht des abgestimmten Handelns, die Macht der kommunizierbaren Worte oder die Macht der Gefühle unterschätzen.

Die historische Rolle der islamischen Gemeinschaft wird überdies in folgendem Quran-Vers erklärt:

Und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht, damit ihr Zeugen über die (anderen) Menschen seiet und damit der Gesandte über euch Zeuge sei… (Sure 2:143).

O Allah, lass uns die Sicherheit in unseren Ländern erfreun!

Der Islam ist eine Religion der Erleichterung

Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten, Dem in Seiner ehrwürdigen Schrift sagt:

„Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen .“ (Sure 2:185).

Ich bezeuge, dass es keinen Gott da außer Allah ohne Teilhaber gibt, und ich bezeuge, dass unser Prophet Muhammad Sein anbetend Diener und Gesandter ist, der sagte: „Ich bin mit der Erleichterung herabgesandt worden.“

Und nun zum Thema:

Der Islam ist die Religion der Mitte, in der weder eine zu lockere und zu nachlässige Haltung noch eine zu strenge und zu übertriebene Einstellung toleriert werden. Besonders deutlich wird diese Tatsache bei der Betrachtung der Riten und der Allahesdienste im Islam.

Allah befiehlt gemäßigtens Verhalten, indem Er dem Gesandten (Allahs Segen und Friede auf ihm), den Prophetengefährten und den Gläubigen befahl, den Weg der Mitte einzuschlagen. Um gemäßigt zu sein, muss man die zwei folgenden Merkmale beachten:

Allah, der Erhabene sagte: So verhalte dich recht, wie dir befohlen wurde, (du) und diejenigen, die mit dir bereuen, und lehnt euch nicht auf. Gewiss, was ihr tut, sieht Er wohl.

Das heißt: Halte am geradlinigen Weg der Wahrheit fest und bemühe dich hierbei, ohne zu übertreiben! Überschreite nicht die Grenzen Allahs durch eine überzogene Art oder durch Auferlegen von Unzumutbarem!

Als eines Tages der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) gerade dabei war, seinen Gefährten eine Handlung der Pilgerfahrt zu lehren, begann er, sie vor Übertreibungen zu warnen. Er teilte ihnen mit, dass Übertreibung die Ursache gewesen ist, weshalb die vor uns lebenden Völker zugrunde gingen. Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sprach: „Hütet euch vor der Übertreibung in der Religion! Denn diejenigen, die vor euch waren, sind wegen der Übertreibung in der Religion zugrunde gegangen.“

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte ebenfalls: „Jeder von euch soll nur so viel an Taten vollbringen, wie er bewältigen kann.“

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) veranschaulichte die wahre Botschaft, mit der er entsandt worden ist. Er erklärte, dass die Botschaft nicht gekommen ist, um den Menschen etwas aufzubürden, was über ihren Kräften und Möglichkeiten liegt. Was der Islam brachte, war Wissen, Weisheit und Erleichterung. Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sprach: „Allah hat mich nicht als jemanden entsandt, der Erschwernisse bringt oder als Hartnäckiger (der die Menschen zu Fall bringt), sondern Er entsandte mich als Lehrer, der Erleichterungen verschafft.“

Der Islam ist – oft entgegen abweichender Vorstellungen von Muslimen, eine Religion der Erleichterung und geht folglich mit der Natur des Menschen einher. Wie könnte es auch anders sein, schließlich kennt der Schöpfer des Menschen Seine Schöpfung und weiß dementsprechend auch, was der Mensch zu verstehen und leisten vermag, wie auch, dass der Mensch auch immer Fehler und Sünden begehen wird, folglich der Vergebung bedarf:

Allah will eure Bürde erleichtern; denn der Mensch ist schwach erschaffen.4:28

Jetzt (aber) hat Allah es euch leicht gemacht. Er weiß ja, dass in euch Schwaches (angelegt) ist.8:66

  So ist der Islam als offenbarte Religion Allahes auch – wenn richtig gelebt – Quelle der Glückseligkeit:

Wir haben den Qur’an nicht auf dich (als Offenbarung) hinabgesandt, damit du unglücklich bist.20:2-3

Gerade in den Suren und Passagen des Qurans, in welchen Regelungen behandelt werden, betont Allah immer wieder, dass das Geforderte Erleichterung und nicht das Gegenteil bewirken möge:

Er hat euch erwählt und euch in der Religion keine Bedrängnis auferlegt…22:78

Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis.2:185

  Dieser Vers schließt eine Thematisierung des Fastenmonats ab – wie kann hier jemand noch behaupten, dass das Fasten überfordern und nicht nur herausfordern soll?!

Allah will euch keine Bedrängnis auferlegen, sondern Er will euch reinigen und Seine Gunst an euch vollenden, auf das ihr dankbar sein möget.5:6

Dies ist der Schlussteil im Vers, welcher die Gebetswaschung behandelt – und gerade hier wählen Geschwister des Öfteren im Rahmen der verschiedenen möglichen Auffassungen zu einzelnen Fragen der Gebetswaschung die erschwerendere Ansicht…. Unter Anderem die folgende Sure ist Basis für das von den Gelehrten extrahierte Rechtsprinzip, dass immer, wenn eine Angelegenheit überfordert, dies auch eine Erleichterungsmöglichkeit nach sich zieht:

Im Koran steht: „Haben Wir dir nicht deine Brust aufgetan / und dir deine Last abgenommen die deinen Rücken niederdrückte, / und dir dein Ansehen erhöht? Also gewiss, mit der Erschwernis ist Erleichterung, / gewiss, mit der Erschwernis ist Erleichterung./ Wenn du nun fertig bist, dann strenge dich an, / und nach deinem Herrn richte dein Begehren aus.“

Auch die prophetischen Worte und Taten führen – wie in jeder Angelegenheit – den Geist des Quran in dieser Frage fort:

Aisha sagte: „Wann immer der Prophet (saw) die Wahl zwischen zwei Dingen hatte, wählte er das leichtere, es sei denn dies wäre eine sündhafte Handlung.” (Bukhari)

Der Prophet (saw) hat gesagt: „Religion ist leicht; und niemand macht die Religion schwerer, ohne, dass sie ihn übermannt. Leitet daher zum Rechten und seid maßvoll und freut euch und bittet um (Allahs) Hilfe frühmorgens, abends und in einem Teil der Nacht.“

Ibn Taymiyyah klärte auf, dass im Rahmen des Erlaubten das Nützliche der Mühsal vorzuziehen ist, denn „Allahs Zufriedenheit besteht weder in der Qual der Seelen noch darin, diesen Mühsal aufzuerlegen, so dass man also nicht sagen kann, dass je mühseliger eine Tat ist, desto besser diese sei. Es ist vielmehr die Auffassung der Unwissenden, dass der Lohn in allen Dingen mit der Höhe der Mühe steige. In Wirklichkeit ist der Lohn abhängig vom Grad des Nutzens und der Vorteilhaftigkeit der Tat.“

Der Islam als eine Religion, mit der Allah die Botschaften ab schließ und die Allah zu einer Religion für alle Menschen bestimmt hat; diese Religion berücksichtigt die Lebensumstände der Menschen, ihre Kulturen und ihre Traditionen. So gehören Mäßigung und Ausgewogenheit zu den Merkmalen des Islams, damit seine Botschaft die ganze Erde umfassen und mit der Zeit und der Entwicklung Schritt halten kann. So werden sowohl die spirituellen als auch die körperlichen Bedürfnisse des Menschen berücksichtigt. Der Islam verlangt nicht, dass der Muslim faul wird, seinen Tag fastet und seine Nacht im Gebet verbringt, nicht arbeitet und sich von anderen versorgen lässt; denn dies gehört nicht zur Religion! Im Gegenteil, der Islam verlangt von dem Muslim, im Leben und fürs Leben zu arbeiten und deren Fortschritt positiv zu fördern.

Es stimmt zwar, dass Allah von den Menschen verlangt, Ihn anzubeten und sich Ihm nahe zu bringen; dennoch wird jede Übertreibung abgelehnt und von dem Islam verpönt! Auf dieser Basis ist der Islam ein Weg der Mitte und der Erleichterung. Dies ist sehr deutlich im Koran:

„Er hat euch in der Religion keine Bedrängnis auferlegt“ (22:78)

„Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis“ (02:185)

„Allah will es euch leicht machen, denn der Mensch ist (ja) schwach erschaffen.“ (04:28)

Der Islam verlangt von seinen Anhängern, sich keine Härte aufzuerlegen! Der Prophet (s) sagt: „Erlegt euch selbst keine Härte auf, damit euch keine Härte auferlegt wird!“

Als der Prophet seine zwei Gefährten Abu Moussa und Muaath in den Jemen entsandt, empfahl er ihnen, die Menschen mit Erleichterung und froher Botschaft zu begegnen, nicht mit Erschwernis und böser Botschaft!

Wenn wir sagen, der Islam sei ein Weg der Mitte, so gehört zu dieser „Mitte“ Güte, Gerechtigkeit, Schönheit und Erhabenheit. Allah sagt in der Sure Noun (68): „Der Mittlere von ihnen sagte: „Habe ich nicht zu euch gesagt: Würdet ihr doch Allah preisen!““ Mit „der Mittlere“ ist gemeint, dass er von den dreien am gerechtesten, gütigsten und verständigsten war!

Liebe Brüder und Schwestern,

während wir bei den von Menschen gemachten Systemen Übertreibung in die eine oder andere Richtung finden, lässt Allah alles nach Maß und in einer gerechten und ausgewogenen Art und Weise sich entfalten und mit allem Anderen harmonieren! Denn Er ist Allah:

„und Er hat alles erschaffen und ihm dabei sein rechtes Maß gegeben.“ (25:02)

„Allah umfasst ja alles mit Seinem Wissen.“ (65:12)

„und Er hat die Zahl von allem erfasst.“ (72:28)

Wir schauen das Universum um uns an, Nacht und Tag, Dunkelheit und Licht, Hitze und Kälte, Wasser und Festland; alles nach Maß, keine Überschreitung!

„Du kannst in der Schöpfung des Allerbarmers keine Ungesetzmäßigkeit sehen.“ (67:03)

„Gewiss, Wir haben alles in (bestimmtem) Maß erschaffen.“ (54:49)

Weg der Mitte bedeutet auch Geradlinigkeit und Rechtschaffenheit, beinhaltet aber auch Sicherheit, denn oft sind die „Enden“ Gefährdung und Verderben ausgesetzt!

Dass der Islam „Weg der Mitte“ ist, sehen wir in all seinen Bereichen, theoretisch und praktisch, pädagogisch und gesetzgeberisch!

So ist der Islam „Mitte“ zwischen „Aberglaube“, in dem alles geglaubt wird und Materialismus, in dem nichts geglaubt wird!

So ist der Islam „Mitte“ bezüglich der Anbetung, negiert nicht die göttliche Seite wie im Buddhismus z.B., verlangt aber auch nicht von seinen Anhängern, sich ausschließlich der Anbetung zu widmen, wie dies in manchen Religionen der Fall ist!

So ist der Islam „Mitte“ bezüglich der Moral und der Sittsamkeit, erwartet nicht von den Menschen, dass sie „Engel“ werden, will aber auch nicht, dass sie sich wie Tiere von ihren Trieben leiten lassen! Es haben sowohl die spirituellen als auch die körperlichen Bedürfnisse ihre Berechtigung und ihren Platz!

So ist der Islam „Mitte“ in der Gesetzgebung bezüglich Individuum und Kollektiv; die Freiheit des Individuums aber auch die Interessen der Gemeinschaft werden berücksichtigt, Rechte und Pflichten!

Nach all dem, kann man sagen, dass der Islam jegliche Übertreibung ablehnt, ja sogar die Übertreiber zur Rechenschaft zieht; denn Übertreibungen führen die Menschen in die Irre und halten sie vom Wege Allahs fern! Der Koran lehrt uns darum zu bitten, nicht eine Versuchung für andere zu sein.

Liebe Brüder und Schwestern,

Der Prophet (s) pflegte die christlichen Delegationen und andere in seiner Moschee zu empfangen; er ließ die Abessinier in einem Teil seiner Moschee an ihrem Festtag spielen und erlaubte seiner Frau Aischa dabei zuzuschauen. Er sagte in dem Zusammenhang: damit die Menschen nicht sagen, in unserer Religion sei Unklarheit!

Dem Beispiel des Propheten (s) folgend sollten wir uns anderen gegenüber öffnen, denn wir haben eine Botschaft, die sich an alle Menschen richtet und die sich durch Barmherzigkeit, Erleichterung und Milde auszeichnet.

Ich bitte Allah für mich und für euch um Vergebung!

***

Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten!

Die Religion, die Allah für die Menschen auserwählt hat, ist der Islam, da dieser am ehsten ihren Temperament entspricht. Allah machte Seine Religion für die Menschen sehr leicht. Sie entfernt alle Einschränkungen und Bürden, weil das für den Menschen mühsam ist. Sie lehrt die Menschen, immer Allahes Wohlgefallen zu suchen, sich Ihm anzuvertrauen und das von Ihm vorherbestimmte Schicksal zu akzeptieren, denn Er ist unendlich barmherzig, gütig und vergebend; Er erschafft alles für die Gerechten mit einem Zweck; Er ist Allmächtig.

Der Glauben an Allah, Dem Eigentümer aller Geschöpfe und Urheber aller stattfindenden Geschehnisse, die stattfinden, bedeutet den Ängsten, Sorgen und Mühsalen des menschlichen Lebens ein Ende zu bereiten. Für jemanden, der nach Seiner Religion lebt ist die Erleichterung und Schönheit, die sie ihm verschafft das Wichtigste. Darüber hinaus hat Allah alle Seine Gebote und Anordnungen dem Naturell der Menschen angemessen und keine Härte wird aus ihnen resultieren.

Allah erklärt im Quran, dass die Religion leicht ist und dass Er die Dinge für jene, die ihrer Religion folgen, leichter machen will:

Und Wir werden dich auf den leichtesten Weg bringen.

… Er hat euch erwählt und hat euch in der Religion nichts Schweres auferlegt, der Religion eueres Vaters Abraham. …

Im Licht der Verse lädt uns unser Prophet in Anlehnung an unsere Religion ein, folgendes zu erklären: „Religion ist Erleichterung“

Die Praktiken und Überzeugungen, die von den Menschen als Mühsal betrachtet werden, sind durch Polytheisten, Atheisten oder von jenen Personen, die andere von der Religion entfernen weitergegeben, in die Religionen übernommen und als wären sie ein Teil der wirklichen Religion. Andere wieder haben die Religion betreffend, eine prahlerische Haltung eingenommen. Sie sind der Meinung, dass es allgemein mehr akzeptiert wird, wenn sie schwierigere Dinge ausführen und sich selbst frömmer zeigen. Unser Prophet (s.a.w.s.) befahl den Muslimen um ihm herum, die Religion „leichter“ zu machen. Demnach sollen rechte Muslime seinen Geboten folgen und nicht unter den Folgen, die Dinge zu verkomplizieren, leiden.