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Die Gefahr der zerstörerischen Aufrufe und die Notwendigkeit, diesen
gegenüberzutreten, damit Sicherheit und Stabilität gewährleistet werden.
Freitagspredigt am 27. 02 (Monat Ṣafar). 1437 (islamischer Kalender)11.12.2015

awkaf

Einteilung der Predigt

  • Sicherheit und Stabilität als Gnade im Islam
  • Stabilität in der Heimat ist eine religiöse und nationale Notwendigkeit
  • Zu Faktoren der Stabilität in der Heimat gehören:

    • Liebe zur Heimat
    • Versöhnung und Kooperation zwischen Menschen zu verbreiten
    • Gehorsam gegenüber dem Befehlshaber bezüglich der Gehorsames gegenüber Gott und dem Dienst der Heimat
  • Warnung vor Versuchungen und Drangsalen
  • Die Gefahr der zerstörerischen Aufrufe hinstrich des Individuums und der Gesellschaft
  • Die Notwendigkeit, diesen Aufrufen gegenüberzutreten

 

Belege aus dem Koran

  1. „Und als Abraham sagte: Mein Herr, mach dies zu einem sicheren Ort und gib Früchte den dort Wohnenden …“ (al-Baqara 2:126)
  2. „Und damals sagte Abraham: Mein Herr, mache diese Stadt zu einer Stätte des Friedens und bewahre mich und meine Kinder davor, die Götzen anzubeten …“ (Ibrāhīm 14:35)
  3. „Die da glauben und ihren Glauben nicht mit Ungerechtigkeiten vermengen – sie sind es, die Sicherheit haben und die rechtgeleitet werden.“ (al-Anʿām 6:82)
  4. „Für die Vereinigung der Quraisch , (für) ihre Vereinigung zur Reise in der Karawane des Winters und des Sommers. So sollen sie denn dem Herrn dieses Hauses dienen, Der sie speist, nachdem sie gehungert haben, und ihnen Sicherheit gewährleistet, nachdem sie in Angst lebten!“ (Quraiš 106:1-4)
  5. „Haben Wir ihnen denn kein sicheres Schutzgebiet errichtet, zu dem die Früchte aller Art gebracht werden als Versorgung von Uns? Jedoch die meisten von ihnen wissen es nicht.“ (al-Qaṣaṣ 28:57)
  6. „Haben sie denn nicht gesehen, dass Wir ein Schutzgebiet sicher gemacht haben, während die (anderen) Menschen in ihrer Umgebung hinweggerissen werden? Wollen sie da noch an (etwas) Falsches glauben und die Huld Gottes leugnen?“ (al-ʿAnkabūt 29:67)
  7. „Und Wir setzten zwischen sie und die Städte, die Wir gesegnet hatten, (andere) hochragende Städte, und Wir erleichterten das Reisen zwischen ihnen: Reist zwischen ihnen bei Tag und Nacht in Sicherheit umher. (Sabaʾ 34:18)
  8. „Diejenigen, zu denen die Leute sagten: Seht, die Leute haben sich bereits gegen euch geschart; fürchtet sie darum! – nun stärker wurden sie im Glauben und sagten: Uns genügt Gott, und Er ist der beste Anwalt!“ (Āl ʿImrān 3:173)
  9. „Und hütet euch vor einer Drangsal, die gewiss nicht bloß die unter euch treffen wird, die Unrecht getan haben. Und wisset, dass Gott streng im Strafen ist.“ (al-Anfāl 8:25)
  10. „Wahrlich, jenen, die wünschen, dass sich Unzucht unter den Gläubigen verbreite, wird im Diesseits und im Jenseits eine schmerzliche Strafe zuteil sein. Und Gott weiß, und ihr wisset nicht.“ (an-Nūr 24:19)
  11. „O ihr, die ihr glaubt, gehorcht Gott und gehorcht dem Gesandten und denen, die unter euch Befehlsgewalt besitzen. Und wenn ihr über etwas streitet, so bringt es vor Gott und den Gesandten, wenn ihr an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag. Das ist das Beste und nimmt am ehesten einen guten Ausgang.“ (an-Nisāʾ 4:59)
  12. „Und wenn ihnen etwas zu Ohren kommt, dass Sicherheit oder Furcht betrifft, machen sie es bekannt. Hätten sie es aber vor den Gesandten und vor jene gebracht, die unter ihnen die Befehlsgewalt besitzen, dann würden es sicherlich die unter ihnen, die es entschleiern könnten, wissen. Und wäre nicht Gottes Gnade über euch und Seine Barmherzigkeit, wäret ihr alle dem Satan gefolgt, bis auf wenige Ausnahmen.“ (an-Nisāʾ 4:83)

Belege aus der Sunna

  1. Salama ibn ʿUbaid-u-llāh ibn Miḥṣan al-Ḫaṭmīy überliefert von seinem Vater, dass der der Gesandte Gottes, Gottes Segen und Heil auf ihm, sagte: „Wer von euch aufsteht, sicher in seinem Heim, gesund an seinem Körper, die bloße Menge an Nahrung, die er für den Tag benötigt, besitzt er, dann ist es so, als wäre für ihn die gesamte Welt eingefangen und mit allem, was darin ist!“ (bei Termiḏī überliefert)
  2. Ibn ʿAbbās sagt: Ich hörte den Gesandten Gottes, Gottes Segen und Heil auf ihm, sagen: „Zwei Augen werden vom Höllenfeuer niemals berührt: ein Auge, das aus demütiger Ehrfurcht gegenüber Gott weinte, und eins, das um Gottes willen nachts wacht.“ (bei Termiḏī überliefert)
  3. ʿAbdullāh ibn ʿAdī ibn Ḥamrāʾ sagte: Ich sah den Gesandten Gottes, Gottes Segen und Heil auf ihm, bei der Stelle Ḥazwara bei Mekka stehen und sagen: Bei Gott, du bist das beste Land Gottes und das beliebteste Land zu Gott. Hätte man mich von dir nicht vertrieben, dann wäre ich nicht gegangen“ (Im Musnad von Aḥmad und bei Termiḏī überliefert)
  4. Ibn ʿAbbās sagt, dass der Gesandten Gottes, Gottes Segen und Heil auf ihm, zu Mekka sagte: „Was für ein gutes Land bist du und wie lieb du für mich bist. Hätten mich deine Leute nicht vertrieben, hätte ich nicht in einem anderen Ort gewohnt.“ (überliefert bei Termiḏī)
  5. ʿĀiša überliefert, dass der Prophet Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagt: „Gott möge für uns die Medina genauso lieb machen, wie er uns Mekka lieben ließ“ (überliefert bei Buḫārī)
  6. Abū Huraira berichtet: Ich hörte den Gesandten Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagen: „Wer mir gehorcht, der gehorcht Gott und wer mir nicht gehorcht, der gehorcht Gott nicht. Wer den Herrscher gehorcht, der gehorcht mir und wer dem Herrscher nicht gehorcht, der gehorcht mir nicht. Der Imam ist ein Schutz, hinter ihm man kämpfen soll und durch den man geschützt wird. Wenn er mit Gottesfurcht und Gerechtigkeit befiehlt, so wird dafür (von Gott) belohnt und wenn er anders anordnet, dann gilt das gegen ihn.“ (überliefert bei Buḫārī)
  7. Von Abū Huraira wird überliefert, dass der Gesandte Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Wer (dem Herrscher) nicht gehorcht und die (muslimische) Gemeinde verlässt und dabei stirbt, der stirbt wie die Leute vor dem Islam (ğāhilīya). Wer unter einem unbekannten (zwischen Gutem und Bösem nicht unterscheidend) und rassistischen Banner kämpft und dabei stirbt, der stirbt wie die Leute vor dem Islam (ğāhilīya). (Bei Muslim überliefert)
  8. Von Abū Huraira wird überliefert, dass der Gesandte Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Es wird eine Zeit der Drangsale und Versuchungen kommen, in der es dem Sitzenden besser als dem Stehenden, und dem Stehenden besser als dem Gehenden, und dem Gehenden besser als dem geht, der sich daran beteiligt, was sich um ihn herum abspielt. Wer die Versuchungen jener Zeit erstreben wird, wird daran zugrunde gehen. Und wer in jener Zeit einen Zufluchtsort finden wird, der soll an ihm verbleiben.“ (bei Buḫārī und Muslim überliefert)

 

 

Inhalt der Predigt

Die Gnade der Sicherheit und Stabilität gehört zu den größten Gnaden Gotte, des Erhabenen. Ohne diese wird man die innere Ruhe nicht finden und das Leben nicht genießen, auch wenn er alles im Leben zur Verfügung hätte. Die Glückseligkeit im Leben hängt von der Sicherheit und Stabilität ab. In der prophetischen Überlieferung heißt es: „Wer von euch aufsteht, sicher in seinem Heim, gesund an seinem Körper, die bloße Menge an Nahrung, die er für den Tag benötigt, besitzt, dann ist es so, als wäre für ihn die gesamte Welt eingefangen und mit allem, was darin ist!“ (bei Termiḏī überliefert)

Die Gnade der Sicherheit und Stabilität ist ein Anliegen jedes Geschöpfes auf Erde. Der Prophet Abraham suchte danach und bat Gott darum für seine Leute und Volk. Der Koran erwähnt den Propheten Abraham in diesem Kontext:

„Und als Abraham sagte: Mein Herr, mach dies zu einem sicheren Ort und gib Früchte den dort Wohnenden …“ (al-Baqara 2:126)

Abraham nannte hier die Sicherheit vor der Versorgung, weil die zweite ohne den ersten keinen Sinn hat. Erst mit dem Vorhandensein der Sicherheit kann man das Leben genießen. Gott erhörte das Bittgebet Abrahams und machte Mekka zu einem sicher Ort. Abraham nennt sogar in seinem Bittgebet die Sicherheit vor dem Glauben/ Monotheismus, als er sagt:

„Mein Herr, mache diese Stadt zu einer Stätte des Friedens und bewahre mich und meine Kinder davor, die Götzen anzubeten …“ (Ibrāhīm 14:35)

Diese beiden Dinge, Sicherheit und Stabilität, nennt Gott für die Bewohner von Mekka als große Gnade, wenn Er, der Erhabene, sagt:

„So sollen sie (die Leute in Mekka) denn dem Herrn dieses Hauses dienen, Der sie speist, nachdem sie gehungert haben, und ihnen Sicherheit gewährleistet, nachdem sie in Angst lebten!“ (Quraiš 106:1-4)

„Haben sie denn nicht gesehen, dass Wir ein Schutzgebiet sicher gemacht haben, während die (anderen) Menschen in ihrer Umgebung hinweggerissen werden? Wollen sie da noch an (etwas) Falsches glauben und die Huld Gottes leugnen?“ (al-ʿAnkabūt 29:67)

Durch Sicherheit und Stabilität werden sich die Nationen und Gesellschaften entwickeln. Dies bringt der Koran im Hinblick auf das Volk von Sabaʾ zum Ausdruck:

„Und Wir setzten zwischen sie und die Städte, die Wir gesegnet hatten, (andere) hochragende Städte, und Wir erleichterten das Reisen zwischen ihnen: Reist zwischen ihnen bei Tag und Nacht in Sicherheit umher. (Sabaʾ 34:18)

Das Fehlen der Sicherheit und der Stabilität wirkt negativ auf Land und Leute auch im Hinblick auf Gottesanbetung aus. Diese stellt das Ziel, für das der Mensch geschöpft wurde, dar. So sehen wir, dass das rituelle Gebet im Falle der Sicherheit anders als im Falle der Angst verrichtet wird. In beiden Fällen gibt es unterschiedliche Verordnungen, wie man das verrichten soll. Auch zu den Bedingungen der Verpflichtung der Pilgerfahrt gehört, dass man Sicherheit genießt. Sonst gilt sie nicht mehr als Pflicht. Aus diesem Grunde werden die Gottesanbetungen erst in Ordnung verrichtet, wenn es Sicherheit und der Stabilität gibt. Diese beiden sind also eine religiöse und nationale Notwendigkeit und ein großes Ziel der Religion. Darauf ist die Gesellschaft angewiesen.

Zu den wichtigen Faktoren der Stabilität gehört, dass man seine Heimat liebt und deren Wert schätzt. Der Prophet lehrt uns diese Liebe, als er von seiner Heimat Mekka nach Medina auswandern musste. Er spricht Mekka an: „Bei Gott, du bist das beste Land Gottes und das beliebteste Land zu Gott. Hätte man mich von dir nicht vertrieben, dann wäre ich nicht gegangen“

In einer anderen Überlieferung sagt er in diesem Kontext über die Liebe zur Heimat (Mekka): „Was für ein gutes Land bist du und wie lieb du für mich bist. Hätten mich deine Leute nicht vertrieben, hätte ich nicht in einem anderen Ort gewohnt.“

Der Prophet Muḥammad, Gottes Segen und Heil auf ihm, pflegt auch Gott darum zu beten, dass er ihm die neue Heimat Medina lieb macht, weil von dieser Liebe die Sicherheit und Stabilität in Heimaten abhängig sind. ʿĀiša, Gottes Wohlgefallen auf ihr, überliefert, dass der Prophet Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagt: „Gott möge für uns die Medina genauso lieb machen, wie er uns Mekka lieben ließ“

Der Muslim soll seine Heimat lieben und sie beschützen. Für denjenigen, der sich um seine Heimat kümmert und daran arbeitet, dass sie sich entwickelt und fortgeschritten wird, bestimmte der Islam einen großen Lohn. In einem Ḥadīṯ heißt es: „Zwei Augen werden vom Höllenfeuer niemals berührt: ein Auge, das aus demütiger Ehrfurcht gegenüber Gott weinte, und eins, das um Gottes willen nachts wacht.“ (bei Termiḏī überliefert)

So gehört die Liebe zur Heimat zur Religion und ist ein Faktor zur Entwicklung und zum Fortschritt der Heimaten. Man darf auf die zerstörerischen Aufrufe nicht hören.

Zu den Faktoren der Stabilität gehört auch, dass die Menschen Vereinigung und Gemeinschaft suchen sich vor Zwietracht und Uneinigkeit schützen. Dazu sagt der Koran:

„… und hadert nicht miteinander, damit ihr nicht versaget und euch die Kampfkraft nicht verlässt. Seid geduldig; wahrlich, Gott ist mit den Geduldigen.“ (Al-Anfāl 8:46)

„Und helft einander in Rechtschaffenheit und Frömmigkeit; doch helft einander nicht in Sünde und Übertretung.“ (Al-Māʾida 4:2)

Auch der Prophet, Gottes Segen und Frieden auf ihm, sagte, während er seine Finger ineinander verschränkte: „Die Gläubigen sind wie ein Gebäude. Einer stützt den anderen.“ (bei Buḫārī und Muslim überliefert)

Zu den entscheiden Faktoren, die zur Stabilität in den Heimaten führen, gehört der Gehorsam gegenüber den Befehlshabern, solange es sich nicht um eine Sünde handelt. Im Koran heißt es:

O ihr, die ihr glaubt, gehorcht Gott und gehorcht dem Gesandten und denen, die unter euch Befehlsgewalt besitzen. Und wenn ihr über etwas streitet, so bringt es vor Gott und den Gesandten, wenn ihr an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag. Das ist das Beste und nimmt am ehesten einen guten Ausgang.“ (an-Nisāʾ 4:59)

Es gibt viele Hadīṯe, die bezeugen, dass der Gehorsam der Herrscher ein Gehorsam Gottes ist und dass man sie aus religiösen Gründen respektieren soll:

Abū Huraira berichtet: Ich hörte den Gesandten Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagen: „Wer mir gehorcht, der gehorcht Gott und wer mir nicht gehorcht, der gehorcht Gott nicht. Wer den Herrscher gehorcht, der gehorcht mir und wer dem Herrscher nicht gehorcht, der gehorcht mir nicht. Der Imam ist ein Schutz, hinter ihm man kämpfen soll und durch den man geschützt wird. Wenn er mit Gottesfurcht und Gerechtigkeit befiehlt, so wird dafür (von Gott) belohnt und wenn er anders anordnet, dann gilt das gegen ihn.“ (überliefert bei Buḫārī)

Von Abū Huraira wird überliefert, dass der Gesandte Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Wer (dem Herrscher) nicht gehorcht und die (muslimische) Gemeinde verlässt und dabei stirbt, der stirbt wie die Leute vor dem Islam (ğāhilīya). Wer unter einem unbekannten (zwischen Gutem und Bösem nicht unterscheidend) und rassistischen Banner kämpft und dabei stirbt, der stirbt wie die Leute vor dem Islam (ğāhilīya). (Bei Muslim überliefert)

Der Grund, warum man im Islam dem Herrscher gehrechen und nicht gegen ihn rebellieren soll, liegt darin, dass es in der Rebellion mehr Unheil als Nutz für Land und Leute gibt. So werden dabei Menschenrechte, Ehre und Eigentümer verletzt aber auch unschuldige Menschen getötet und verbotene Dinge gemacht.

Die Stabilität in Heimaten wird ferner durch zerstörerische Aufrufe und Versuchungen im Allgemeinen bedroht. Diese haben katastrophale Folge auf das Zusammenleben in der Gesellschaft. Werte der Aussöhnung, Liebe und Freundlichkeit unter Menschen werden dadurch bedroht und durch Hass und Zwietracht ersetzt. In diesem Fall wird die Zerstörung das unbedingte Ende sein:

„Und haltet insgesamt an Gottes Seil fest, und zerfallet nicht, und gedenket der Gnade Gottes gegen euch, da ihr Feinde waret, und Er eure Herzen so zusammenschloss, dass ihr durch Seine Gnade Brüder wurdet; und da ihr am Rande einer Feuergrube waret, und Er euch ihr entriss. So macht Gott euch Seine Zeichen klar, auf dass ihr euch rechtleiten lassen möget.“ (Āl Imrān 3:103)

Der Prophet, Friede und Segen auf ihm, warnt in vielen Ḥadīṯen vor diesen Versuchungen und Drangsalen und macht seine Gemeinde darauf aufmerksam, dass sie dabei sehr vorsichtig, zurückhaltend und vor allem geduldig sein sollten:

Von Abū Huraira wird überliefert, dass der Gesandte Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Es wird eine Zeit der Drangsale und Versuchungen kommen, in der es dem Sitzenden besser als dem Stehenden, und dem Stehenden besser als dem Gehenden, und dem Gehenden besser als dem geht, der sich daran beteiligt, was sich um ihn herum abspielt. Wer die Versuchungen jener Zeit erstreben wird, wird daran zugrunde gehen. Und wer in jener Zeit einen Zufluchtsort finden wird, der soll an ihm verbleiben.“ (bei Buḫārī und Muslim überliefert)

Auch der Koran warnt vor diesen Versuchungen und Prüfungen an vielen Stellen:

„Und hütet euch vor einer Drangsal, die gewiss nicht bloß die unter euch treffen wird, die Unrecht getan haben. Und wisset, dass Gott streng im Strafen ist.“ (al-Anfāl 8:25)

Die zerstörerischen Aufrufe, die von Leuten kommen, die wenig Glauben und schwache Herze und vor allem terroristisches Denken haben, gelten als Hindernis vor Stabilität der Heimaten.  Dadurch werden die Zwietracht und der Streit unter Bürgern gesät. Dass man die Religion durch leere Parolen und Ideologien für politische Interesse einsetzt, mündet in die Destruktion der Gesellschaften. Jene, die Versuchungen und Unheil unter Menschen stiften und verbreiten, haben im Koran eine schmerzliche Strafe:

„Wahrlich, jenen, die wünschen, dass sich Unzucht unter den Gläubigen verbreite, wird im Diesseits und im Jenseits eine schmerzliche Strafe zuteil sein. Und Gott weiß, und ihr wisset nicht.“ (an-Nūr 24:19)

Auf diese zerstörerischen Aufrufe darf man im Islam nicht hören. Sie gelten als Brennstoff für terroristisches Denken und führen zur Zerstörung der Gesellschaft. Unsere islamische Religion ruft uns vielmehr zur Sicherheit und Stabilität und verurteilt jede Art des Terrorismus und der Aggression.

Über die die Notwendigkeit der kollektiven Idschtihad

Mokhtar

D / Mukhtar Mohamed Juma
Minister Awqaf

Unsere islamische Gemeinde leidet unter den absurden Fetwas und Meinungen. Inkompetente Scheingelehrte  und Nichtfachleute, die sich ausschließlich für Ruf, Berühmtheit und Ansehen interessieren, suchen fiberhaft nach absurden und ungewöhnlichen Meinungen, damit sie die Menschen zu sich anziehen und damit sie ihrem eigenen Interesse und ihren Organisationen dienen.

Heutzutage begegnen wir einer neuen komplexen Situation, wo sich viele Fragen ineinander verflechten. Einige dieser neuen Fragen stehen nicht im Einklang mit früheren Fetwas und den Meinungen früherer Gelehrten. Denn diese erteilten ihre Fetwas gemäß dem Geist ihrer Zeit und ihres Ortes. Nichtfachleute und Scheingelehrte verstehen jedoch nicht den Bezugsrahmen dieser Fetwas und die Bedingungen, von denen diese Fetwas abhängig sind (al-manāṭ). Sie beziehen die alten Meinungen auf unser Leben, ohne den neuen Kontext und die heutigen Bedingungen genau zu kennen und zu untersuchen. Sie sind darüber hinaus mit den Voraussetzungen des Analogieschlusses nicht im Klaren. Aus diesem Grunde scheint heutzutage der kollektive Idschtihad (al-iğtihād al-ğmāʿī) eine Notwendigkeit zu sein, im Sinne dass die Geehrten gemeinsam im Rahmen der islamischen Rechtstheorie Normen durch eigenständige Urteilsbemühung finden.

Vor diesem Hintergrund kam der Ruf des Großscheiches der Al-Azhar Prof. Dr. Aḥmad aṭ-Ṭaiyib zum kollektiven Idschtihad (al-iğtihād al-ğmāʿī) in seinem Beitrag „Ansicht der Imame und Gelehrten zur Erneuerung des islamischen Diskurses und zur Aufhebung des terroristischen Denkens“ bei der Eröffnung der von dem Höchsten Rat für Islamische Angelegenheiten organisierten Konferenz.

Beim kollektiven Idschtihad geht es darum, dass Gelehrte, die sich für Probleme und Herausforderungen der islamischen Gemeinde interessieren, aus der ganzen Welt eingeladen werden, um aktuelle akute Fragen zu diskutieren. Dazu gehören Fragen des Terrors und der Begriffsbestimmung von „Haus des Islam“, aber auch wie man das Problem bekämpft, dass sich einige (Muslime) Gewaltgruppen anschließen, Gewalt gegen die Gesellschaft treiben und sie hassen, sich selbst erlauben, andere Bürger zu töten und bombardieren. Auch folgende Themen sollten beim kollektiven Idschtihad zur Diskussion gestellt werden: Menschenrechte, menschliche Freiheit, soziale Fragen vor allem über Frauen, astronomische Festlegung des Beginnes der neuen Monaten im Mondkalender, Fragen der Pilgerfahrt vor allem der Zustand der Weihe in der Pilgerfahrt in Mekka (iḥrām) aus dem Ort Dschidda per Luft oder Land, die rechtlichen Bestimmungen bezüglich der zeitlichen Regelungen für das Steinenwerfen während der Pilgerfahrt und viele andere Fragen, die unmittelbar mit dem Schutz der Heimat, den Interessen und Bedürfnissen der Menschen in ihrer Zeit und Umgebung zu tun haben. Die Gelehrten sollten auch Fetwas erteilen, die die Arbeit als Pflicht machen und die Vernachlässigung und Faulheit verbieten. Man darf aber bei diesen heiklen Fragen  nicht verallgemeinern und pauschalisieren, sodass nichts vor Ort und in Wirklichkeit ändert.

Der kollektive Idschtihad wird ohnehin sehr dazu beitragen, die absurden Meinungen zu und die Gründe für Terror beseitigen. Die Konferenz, die vom Höchsten Rat für Islamische Angelegenheiten organisiert wurde, fasste die Gründe des Terrors und der absurden Meinungen folgendermaßen zusammen:

  • Verschlossenheit, Stagnation, blinde Nachahmung, Missverstehen bzw. das buchstäbliche Verstehen der Texte, Nichtberücksichtigung der Zielsetzungen der Scharia, das Nichtverstehen der allgemeinen Regeln der islamischen Gesetzgebung und das Beschäftigen der Nichtfachleute mit islamischen Angelegenheiten.
  • Viele Gruppen und Organisationen nehmen die Religion als Handel und nützen sie aus, um politische und parteiische Interessen zu vertreten und gewinnen, indem sie ihr Interesse vor denen der Heimat und des Staates bevorzugten. Auch die formelle und politische Religiosität spielt dabei insofern eine Rolle, als sie die aufrichtige Religiosität, die eigentlich ausschließlich für Gott sein sollte, ersetzte.
  • Kolonialmächten ist es gelungen, Anhänger für sie aus arabisch-islamischen Ländern zu manipulieren und zu gewinnen, sei es durch gegenseitige Interessen, unwahre Versprechen für einige Gruppierungen oder durch das sogenannte Kaufen von Loyalitäten.

Schließlich führt der kollektive Idschtihad zur Annäherung zwischen Gelehrten und beseitigt viele Gründe der Trennung und Zwietracht zwischen ihnen sowie die absurden, von der Norm abweichenden, irregehenden und terroristischen Gedanken.