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Die Zusammenarbeit und ihre Regeln

Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten, Dem in Seiner ehrwürdigen Schrift sagt:

„Und sprich:“Wirket! Allah wird euer Werk schauen, und so Sein Gesandter und die Gläubigen. Und zurück sollt ihr gebracht werden zu dem Kenner des Verborgenen und des Offenbaren; dann wird Er euch verkünden, was ihr zu tun pflegtet.“.“ (Sure 9:105).

Ich bezeuge, dass es keinen Gott da außer Allah ohne Teilhaber gibt, und ich bezeuge, dass unser Prophet Muhammad Sein anbetend Diener und Gesandter ist.

Und nun zum Thema:

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er neigt zur Gesellschaft mit anderen, um seine Interessen und seine Wünsche, dies kommt nur durch die Zusammenarbeit mit anderen zustande, wenn man als Individuum einer Gesellschaft  lebt. Die Interessen der Individuen, der Moschee, der Gemeinschaft etc. können nur in Zusammenarbeit auf der Grundlage von Frömmigkeit und demütiger Ehrfurcht gegenüber Allah durchgesetzt werden. Mit einem einzigen Pfeil betreten eventuell drei Leute das Paradies. Wenn ihn der Erste nicht herstellt und der Zweite nicht vorbereitet, hat der Dritte nichts zu schießen. Daher benötigt man Gruppenarbeit, um das Ziel zu verwirklichen. Wenn wir die Ameisen und Bienen betrachten, sehen wir, dass es dort genauso ist. Damit wir den Honig aus der Wabe ernten können, arbeiten die Bienen in einem bestimmten Ablauf. Es gibt Königinnen, Arbeiterinnen und Drohnen. Wir können diesen Honig nicht nur durch die Arbeit der Königinnen erhalten. So muss sich der Muslim in seiner Gesellschaft mit seinen Brüdern verhalten. Es darf ihn nicht kümmern, ob sie ihn an den Anfang,  oder an die Nachhut gestellt haben. Er macht seine Arbeit auf die beste Weise und ist Allah in allen Dingen gegenüber aufrichtig.

Man hat festgestellt, dass die Leute, wenn sie nicht durch das Recht vereint, durch das Falsche geteilt werden. Und wenn sie das anbetende Dienen Allahs nicht vereint, zerreißt sie die das anbetende Dienen des Teufels. Und wenn sie die Gnadenerweise des Jenseits nicht locken, ringen und streiten sie über die vergänglichen Genüsse des weltlichen Lebens. So ergeht es leider einigen unter uns heutzutage, der Eine hegt Hass gegen den Anderen. Wenn dies nicht geschieht, ist es bloß ein flüchtiges Kompliment. Der Grund dafür ist der schwache Verstand: „Du meinst, sie halten zusammen, doch ihre Herzen sind verschieden. Dies (ist so), weil sie Leute sind, die nicht begreifen.“ (Sure 59:14).

Die Verbindung, die uns zu einem einzigen Körper werden lässt, ist die Verbindung des Islam. Ohne diese sind wir wie in der Zeit der vorislamischen Ignoranz oder noch schlimmer. Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Kehrt nach mir nicht zum Kufr zurück, indem ihr euch gegenseitig die Köpfe abschlagt!“ Überliefert von Al-Buchari und Muslim.

Angesichts des religiösen Zusammenhalts zerfallen die Verbindungen der Abstammung, des Nationalismus, des Patriotismus, der Parteizugehörigkeit und jeder Form des Fanatismus für falsche Werte. Allah der Erhabene sagt: „Und haltet alle fest am Seil Allahs und geht nicht auseinander! Und gedenkt Allahs Gunst an euch, als ihr Feinde wart und Er dann eure Herzen zusammenführte, worauf ihr durch Seine Gunst Brüder wurdet…“ (Sure 3:103).

Wir erleben eine Epoche, in der die muslimische Gemeinschaft unterschiedlichen Bedrohungen ausgesetzt ist.

Wir leugnen nicht, dass die Gründe unserer Schwäche und heutigen Spaltung, die den Gegnern die Macht über uns verliehen haben, zahlreich sind. Dies alles hindert uns aber nicht daran, aktiv zu sein und uns auf einen Anfang zu konzentrieren. Unsere Differenzen hinsichtlich Meinungen, Rechtsschulen, König, Politik und persönliche Vorstellungen dürfen uns nicht daran hindern, die Brüderlichkeit im Glauben zu verwirklichen und auf der Grundlage von Frömmigkeit und demütiger Ehrfurcht gegenüber Allah zusammenzuarbeiten. Anstatt dessen sollten wir alle diese Differenzen als Folge dieses großen ursprünglichen Problems sehen. Das Interesse der Vereinigung ist ein holistisches Interesse. Die Forderung der Religion nach Einigkeit und ihr Verbot, uns zu spalten, sind wichtiger und werden allem vorangestellt. So verhält sich, wer die Grenzen Allahs einhält und das Ausmaß der Gefahren erkennt, die seine Umma bedrohen. Das Blut eines Muslims ist gleichwertig mit dem irgendeines anderen Muslims, selbst der geringste unter ihnen befindet sich in ihrem Schutz. Sie sind eine Hand gegen ihre Gegner. Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Der Gläubige ist für den Gläubigen wie ein Mauerwerk. Sie halten sich gegenseitig.“ Dann verschränkte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) seine Finger ineinander.

Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Wer einem Gläubigen eine weltliche Sorge nimmt, dem nimmt Allah eine Sorge des Jüngsten Tages. Und wer einer Person in Schwierigkeiten Erleichterung verschafft, dem verschafft Allah im Diesseits und im Jenseits Erleichterung. Und wer eine Sünde eines Muslims verheimlicht, dessen Sünden verheimlicht Allah im Diesseits und im Jenseits. Und Allah hilft dem anbetend Dienenden, solange der anbetend Dienende seinem Glaubensbruder hilft.

In einem weiteren Hadith heißt es: „Jeder, der einen Muslim in Situationen im Stich lässt, in denen dessen Ehre verletzt und dessen Unverletzlichkeit missachtet wird, den wird Allah dann im Stich lassen, wenn er Seine Hilfe erhofft. Und jeder, der einen Muslim in Situationen unterstützt, in denen dessen Ehre verletzt und dessen Unverletzlichkeit missachtet wird, den unterstützt Allah dann, wenn er Seine Hilfe erhofft.“

Als einige Leute am Tag der Belagerung des Hauses von Uthman den Kalifen Uthman ibn Affan töten wollten, kam Abdullah ibn Salam. Uthman fragte ihn: „Warum bist du gekommen?“ Er entgegnete: „Ich bin gekommen, um dir zu helfen.“ Er sagte: „Geh zu den Menschen hinaus und jage sie von mir weg! Du nützt mir mehr, wenn du hinausgehst, als wenn du drinnen bleibst.“ Abdullah ging zu den Menschen hinaus und sagte unter anderem: „Allah hat wahrhaftig ein Schwert, das Er nicht gegen euch zückt. Und die Engel sind wahrhaftig neben euch in eurer Stadt, in der euer Prophet sich niederließ. So fürchtet Allah, fürchtet Allah um diesen Mann [Uthman], hütet euch, ihn zu töten! Bei Allah! Wenn ihr ihn tötet, verjagt ihr eure Nachbarn, nämlich die Engel, und zückt das vor euch geschützte Schwert Allahs heraus, das dann bis zum Tag der Auferstehung nicht mehr in seiner Scheide stecken wird.“

Als Ibn Muldscham Al-Charidschi auf Ali  eingestochen hatte, betrat dieser sein Haus und verlor das Bewusstsein. Als er wieder zu sich gekommen war, rief er Al-Hasan und Al-Husain  zu sich und sagte: „Ich rate euch, Allah den Erhabenen, zu fürchten und nach dem Jenseits und der Enthaltsamkeit im Diesseits zu streben. Trauert nichts hinterher, was euch in ihm entgangen ist, denn ihr werdet es verlassen! Tut das Gute! Rechnet mit dem Ungerechten ab und helft dem ungerecht Behandelten!“ Dann rief er seinen Sohn Muhammad und fragte ihn: „Hast du gehört, was ich deinen Brüdern geraten habe?“ Er antwortete: „Ja!“ Er sagte: „Das rate ich auch dir!“

Man erzählt, dass eine Frau, als sie in Gefangenschaft geraten und ihre Ehre beschmutzt worden war, rief: „O Mu’tasim!“ Als Mu’tasim dies erfuhr, bestieg er, ohne zu zögern, sein Pferd und das Heer folgte seinen Spuren, bis Amorion eingenommen wurde. Dann fragte Mu’tasim: „Wo ist die, die gerufen hat?“

Umar ibn Al-Chattab befürchtete, dass eine Ziege im Tal des Euphrat stolpern könnte und er am Jüngsten Tag gefragt werden könnte, warum er ihr nicht den Weg geebnet habe. Wie fürchtete er dann erst, dass ein Muslim stolpern oder zu Unrecht getötet werden würde?

Uwais ibn Amir, der Beste unter den Schülern der Prophetengefährten, bat seinen Herrn um Vergebung, weil er die Nacht gesättigt verbrachte, obwohl es auf der Erde durstige und hungrige Seelen gab.

In der Zeit, in der die Religion als fremd empfunden wird, sind manche so töricht geworden, dass sie den Feinden des Islam und den Feinden der Muslime helfen und diese sogar mit allen Mitteln unterstützen. In einer Zeit, in der die Feinde unsere Frauen zu Witwen und unsere Kinder zu Waisen machen, unsere Ehre verletzen, unsere Länder besetzen und weder unsere Verwandtschaft noch unsere Verträge beachten. Möge ein derartiger Muslim doch zum Islam zurückkehren, mit dem Gesetz seines Herrn regieren und sich um die Bedürfnisse der Muslime kümmern! Wer sich nämlich nicht für die Angelegenheiten der Muslime interessiert, gehört nicht zu ihnen. Solche Personen erinnern wir an die folgende Aussage Allahs des Erhabenen: „… Helft einander zur Güte und Gottesfurcht, aber helft einander nicht zur Sünde und feindseligem Vorgehen …“ (Sure 5:2).

Zu guter Letzt: es ist allgemein bekannt, dass die Angelegenheiten der Menschen untereinander nicht geregelt werden, sie keine Eintracht erlangen werden und ihr Feind sie nicht respektieren wird, bis es eine islamische Solidarität gibt, deren Wesen in der Zusammenarbeit auf den Grundlagen der Frömmigkeit besteht sowie in der demütigen Ehrfurcht gegenüber Allah, der Integration, der Solidarität, des Mitgefühls und der Aufrichtigkeit in der Religion der Wahrheit und in der Geduld. Dies gehört ohne Zweifel zu den wichtigsten islamischen Aufgaben und den verbindlichsten Pflichten. Möge Allah alle zur Arbeit mit Seiner Rechtleitung und zum Streben nach Gutem für Land und Leute verhelfen!

Ich bitte Allah für mich und für euch um Vergebung!

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Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten!

Geschwister im Islam:

Dem Wort Gemeinschaft werden bestimmte Nebenbedeutungen zugeschrieben, die teils romantisch und nostalgisch, teils abfällig und reaktionär sind. Da wir jedoch die Grundlagen behandeln möchten, werden wir unsere Erörterung auf die grundlegendsten Bedeutungen des Wortes Gemeinschaft beschränken.

In einem grundlegenden Sinne bedeutet der Begriff Gemeinschaft „Alle Beziehungsarten, die durch ein hohes Maß an persönlicher Intimität, emotionaler Tiefe, moralischen Verpflichtungen, sozialem Zusammenhalt und zeitlicher Kontinuität gekennzeichnet sind…. Sie sind in… Gegenden, Religionen, Nationen, Rassen, Berufen oder (gemeinschaftlichen Angelegenheiten) zu finden.

Die islamische Gemeinschaft hat einen historischen Auftrag, der weit über bloßes Überleben, reine Macht, Fortpflanzung oder physiologisches Fortbestehen hinausgeht. Dieser Auftrag wird im ehrwürdigen Quran wie folgt beschrieben:

Und es soll aus euch eine Gemeinschaft werden, die zum Guten aufruft, das Rechte gebietet und das Verwerfliche verbietet. Jene sind es, denen es wohl ergeht. (Sure 3:104). Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist. Ihr gebietet das Rechte und verbietet das Verwerfliche und glaubt an Allah… (Sure 3:110).

Die historische Rolle der islamischen Gemeinschaft besteht darin, die wahre Verkörperung der Tugend, des Förderlichen und Edlen zu sein. Eine wirklich islamische Gemeinschaft ist der wachsame Hüter der Tugend und der erbitterte Feind der Untugend. Was von der Gemeinschaft insgesamt verlangt wird, wird gleichermaßen von jedem einzelnen Mitglied verlangt. Dies liegt daran, dass die gesamte Gemeinschaft ein homogenes Gebilde und jedes Mitglied vor Allah verantwortlich ist. Die Rolle des einzelnen Muslims wird mit folgender Aussage des Propheten bestens beschrieben:

Wer von euch etwas Schlechtes sieht, der soll es eigenhändig ändern. Wenn er das nicht kann, dann mit seiner Zunge. Und wenn er das nicht kann, dann mit seinem Herzen. Und dies ist der schwächste Glauben.

Wie man sehen kann, ist diese Beschreibung sehr aussagekräftig und umfassend. In der heutigen Zeit revolutionärer Medien kann niemand, der bei vollem Verstand ist, die Macht des abgestimmten Handelns, die Macht der kommunizierbaren Worte oder die Macht der Gefühle unterschätzen.

Die historische Rolle der islamischen Gemeinschaft wird überdies in folgendem Quran-Vers erklärt:

Und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht, damit ihr Zeugen über die (anderen) Menschen seiet und damit der Gesandte über euch Zeuge sei… (Sure 2:143).

O Allah, lass uns die Sicherheit in unseren Ländern erfreun!

Der Islam ist eine Religion der Erleichterung

Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten, Dem in Seiner ehrwürdigen Schrift sagt:

„Allah will es euch leicht, Er will es euch nicht schwer machen .“ (Sure 2:185).

Ich bezeuge, dass es keinen Gott da außer Allah ohne Teilhaber gibt, und ich bezeuge, dass unser Prophet Muhammad Sein anbetend Diener und Gesandter ist, der sagte: „Ich bin mit der Erleichterung herabgesandt worden.“

Und nun zum Thema:

Der Islam ist die Religion der Mitte, in der weder eine zu lockere und zu nachlässige Haltung noch eine zu strenge und zu übertriebene Einstellung toleriert werden. Besonders deutlich wird diese Tatsache bei der Betrachtung der Riten und der Allahesdienste im Islam.

Allah befiehlt gemäßigtens Verhalten, indem Er dem Gesandten (Allahs Segen und Friede auf ihm), den Prophetengefährten und den Gläubigen befahl, den Weg der Mitte einzuschlagen. Um gemäßigt zu sein, muss man die zwei folgenden Merkmale beachten:

Allah, der Erhabene sagte: So verhalte dich recht, wie dir befohlen wurde, (du) und diejenigen, die mit dir bereuen, und lehnt euch nicht auf. Gewiss, was ihr tut, sieht Er wohl.

Das heißt: Halte am geradlinigen Weg der Wahrheit fest und bemühe dich hierbei, ohne zu übertreiben! Überschreite nicht die Grenzen Allahs durch eine überzogene Art oder durch Auferlegen von Unzumutbarem!

Als eines Tages der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) gerade dabei war, seinen Gefährten eine Handlung der Pilgerfahrt zu lehren, begann er, sie vor Übertreibungen zu warnen. Er teilte ihnen mit, dass Übertreibung die Ursache gewesen ist, weshalb die vor uns lebenden Völker zugrunde gingen. Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sprach: „Hütet euch vor der Übertreibung in der Religion! Denn diejenigen, die vor euch waren, sind wegen der Übertreibung in der Religion zugrunde gegangen.“

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) sagte ebenfalls: „Jeder von euch soll nur so viel an Taten vollbringen, wie er bewältigen kann.“

Der Gesandte Allahs (Allahs Segen und Friede auf ihm) veranschaulichte die wahre Botschaft, mit der er entsandt worden ist. Er erklärte, dass die Botschaft nicht gekommen ist, um den Menschen etwas aufzubürden, was über ihren Kräften und Möglichkeiten liegt. Was der Islam brachte, war Wissen, Weisheit und Erleichterung. Der Prophet (Allahs Segen und Friede auf ihm) sprach: „Allah hat mich nicht als jemanden entsandt, der Erschwernisse bringt oder als Hartnäckiger (der die Menschen zu Fall bringt), sondern Er entsandte mich als Lehrer, der Erleichterungen verschafft.“

Der Islam ist – oft entgegen abweichender Vorstellungen von Muslimen, eine Religion der Erleichterung und geht folglich mit der Natur des Menschen einher. Wie könnte es auch anders sein, schließlich kennt der Schöpfer des Menschen Seine Schöpfung und weiß dementsprechend auch, was der Mensch zu verstehen und leisten vermag, wie auch, dass der Mensch auch immer Fehler und Sünden begehen wird, folglich der Vergebung bedarf:

Allah will eure Bürde erleichtern; denn der Mensch ist schwach erschaffen.4:28

Jetzt (aber) hat Allah es euch leicht gemacht. Er weiß ja, dass in euch Schwaches (angelegt) ist.8:66

  So ist der Islam als offenbarte Religion Allahes auch – wenn richtig gelebt – Quelle der Glückseligkeit:

Wir haben den Qur’an nicht auf dich (als Offenbarung) hinabgesandt, damit du unglücklich bist.20:2-3

Gerade in den Suren und Passagen des Qurans, in welchen Regelungen behandelt werden, betont Allah immer wieder, dass das Geforderte Erleichterung und nicht das Gegenteil bewirken möge:

Er hat euch erwählt und euch in der Religion keine Bedrängnis auferlegt…22:78

Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis.2:185

  Dieser Vers schließt eine Thematisierung des Fastenmonats ab – wie kann hier jemand noch behaupten, dass das Fasten überfordern und nicht nur herausfordern soll?!

Allah will euch keine Bedrängnis auferlegen, sondern Er will euch reinigen und Seine Gunst an euch vollenden, auf das ihr dankbar sein möget.5:6

Dies ist der Schlussteil im Vers, welcher die Gebetswaschung behandelt – und gerade hier wählen Geschwister des Öfteren im Rahmen der verschiedenen möglichen Auffassungen zu einzelnen Fragen der Gebetswaschung die erschwerendere Ansicht…. Unter Anderem die folgende Sure ist Basis für das von den Gelehrten extrahierte Rechtsprinzip, dass immer, wenn eine Angelegenheit überfordert, dies auch eine Erleichterungsmöglichkeit nach sich zieht:

Im Koran steht: „Haben Wir dir nicht deine Brust aufgetan / und dir deine Last abgenommen die deinen Rücken niederdrückte, / und dir dein Ansehen erhöht? Also gewiss, mit der Erschwernis ist Erleichterung, / gewiss, mit der Erschwernis ist Erleichterung./ Wenn du nun fertig bist, dann strenge dich an, / und nach deinem Herrn richte dein Begehren aus.“

Auch die prophetischen Worte und Taten führen – wie in jeder Angelegenheit – den Geist des Quran in dieser Frage fort:

Aisha sagte: „Wann immer der Prophet (saw) die Wahl zwischen zwei Dingen hatte, wählte er das leichtere, es sei denn dies wäre eine sündhafte Handlung.” (Bukhari)

Der Prophet (saw) hat gesagt: „Religion ist leicht; und niemand macht die Religion schwerer, ohne, dass sie ihn übermannt. Leitet daher zum Rechten und seid maßvoll und freut euch und bittet um (Allahs) Hilfe frühmorgens, abends und in einem Teil der Nacht.“

Ibn Taymiyyah klärte auf, dass im Rahmen des Erlaubten das Nützliche der Mühsal vorzuziehen ist, denn „Allahs Zufriedenheit besteht weder in der Qual der Seelen noch darin, diesen Mühsal aufzuerlegen, so dass man also nicht sagen kann, dass je mühseliger eine Tat ist, desto besser diese sei. Es ist vielmehr die Auffassung der Unwissenden, dass der Lohn in allen Dingen mit der Höhe der Mühe steige. In Wirklichkeit ist der Lohn abhängig vom Grad des Nutzens und der Vorteilhaftigkeit der Tat.“

Der Islam als eine Religion, mit der Allah die Botschaften ab schließ und die Allah zu einer Religion für alle Menschen bestimmt hat; diese Religion berücksichtigt die Lebensumstände der Menschen, ihre Kulturen und ihre Traditionen. So gehören Mäßigung und Ausgewogenheit zu den Merkmalen des Islams, damit seine Botschaft die ganze Erde umfassen und mit der Zeit und der Entwicklung Schritt halten kann. So werden sowohl die spirituellen als auch die körperlichen Bedürfnisse des Menschen berücksichtigt. Der Islam verlangt nicht, dass der Muslim faul wird, seinen Tag fastet und seine Nacht im Gebet verbringt, nicht arbeitet und sich von anderen versorgen lässt; denn dies gehört nicht zur Religion! Im Gegenteil, der Islam verlangt von dem Muslim, im Leben und fürs Leben zu arbeiten und deren Fortschritt positiv zu fördern.

Es stimmt zwar, dass Allah von den Menschen verlangt, Ihn anzubeten und sich Ihm nahe zu bringen; dennoch wird jede Übertreibung abgelehnt und von dem Islam verpönt! Auf dieser Basis ist der Islam ein Weg der Mitte und der Erleichterung. Dies ist sehr deutlich im Koran:

„Er hat euch in der Religion keine Bedrängnis auferlegt“ (22:78)

„Allah will für euch Erleichterung; Er will für euch nicht Erschwernis“ (02:185)

„Allah will es euch leicht machen, denn der Mensch ist (ja) schwach erschaffen.“ (04:28)

Der Islam verlangt von seinen Anhängern, sich keine Härte aufzuerlegen! Der Prophet (s) sagt: „Erlegt euch selbst keine Härte auf, damit euch keine Härte auferlegt wird!“

Als der Prophet seine zwei Gefährten Abu Moussa und Muaath in den Jemen entsandt, empfahl er ihnen, die Menschen mit Erleichterung und froher Botschaft zu begegnen, nicht mit Erschwernis und böser Botschaft!

Wenn wir sagen, der Islam sei ein Weg der Mitte, so gehört zu dieser „Mitte“ Güte, Gerechtigkeit, Schönheit und Erhabenheit. Allah sagt in der Sure Noun (68): „Der Mittlere von ihnen sagte: „Habe ich nicht zu euch gesagt: Würdet ihr doch Allah preisen!““ Mit „der Mittlere“ ist gemeint, dass er von den dreien am gerechtesten, gütigsten und verständigsten war!

Liebe Brüder und Schwestern,

während wir bei den von Menschen gemachten Systemen Übertreibung in die eine oder andere Richtung finden, lässt Allah alles nach Maß und in einer gerechten und ausgewogenen Art und Weise sich entfalten und mit allem Anderen harmonieren! Denn Er ist Allah:

„und Er hat alles erschaffen und ihm dabei sein rechtes Maß gegeben.“ (25:02)

„Allah umfasst ja alles mit Seinem Wissen.“ (65:12)

„und Er hat die Zahl von allem erfasst.“ (72:28)

Wir schauen das Universum um uns an, Nacht und Tag, Dunkelheit und Licht, Hitze und Kälte, Wasser und Festland; alles nach Maß, keine Überschreitung!

„Du kannst in der Schöpfung des Allerbarmers keine Ungesetzmäßigkeit sehen.“ (67:03)

„Gewiss, Wir haben alles in (bestimmtem) Maß erschaffen.“ (54:49)

Weg der Mitte bedeutet auch Geradlinigkeit und Rechtschaffenheit, beinhaltet aber auch Sicherheit, denn oft sind die „Enden“ Gefährdung und Verderben ausgesetzt!

Dass der Islam „Weg der Mitte“ ist, sehen wir in all seinen Bereichen, theoretisch und praktisch, pädagogisch und gesetzgeberisch!

So ist der Islam „Mitte“ zwischen „Aberglaube“, in dem alles geglaubt wird und Materialismus, in dem nichts geglaubt wird!

So ist der Islam „Mitte“ bezüglich der Anbetung, negiert nicht die göttliche Seite wie im Buddhismus z.B., verlangt aber auch nicht von seinen Anhängern, sich ausschließlich der Anbetung zu widmen, wie dies in manchen Religionen der Fall ist!

So ist der Islam „Mitte“ bezüglich der Moral und der Sittsamkeit, erwartet nicht von den Menschen, dass sie „Engel“ werden, will aber auch nicht, dass sie sich wie Tiere von ihren Trieben leiten lassen! Es haben sowohl die spirituellen als auch die körperlichen Bedürfnisse ihre Berechtigung und ihren Platz!

So ist der Islam „Mitte“ in der Gesetzgebung bezüglich Individuum und Kollektiv; die Freiheit des Individuums aber auch die Interessen der Gemeinschaft werden berücksichtigt, Rechte und Pflichten!

Nach all dem, kann man sagen, dass der Islam jegliche Übertreibung ablehnt, ja sogar die Übertreiber zur Rechenschaft zieht; denn Übertreibungen führen die Menschen in die Irre und halten sie vom Wege Allahs fern! Der Koran lehrt uns darum zu bitten, nicht eine Versuchung für andere zu sein.

Liebe Brüder und Schwestern,

Der Prophet (s) pflegte die christlichen Delegationen und andere in seiner Moschee zu empfangen; er ließ die Abessinier in einem Teil seiner Moschee an ihrem Festtag spielen und erlaubte seiner Frau Aischa dabei zuzuschauen. Er sagte in dem Zusammenhang: damit die Menschen nicht sagen, in unserer Religion sei Unklarheit!

Dem Beispiel des Propheten (s) folgend sollten wir uns anderen gegenüber öffnen, denn wir haben eine Botschaft, die sich an alle Menschen richtet und die sich durch Barmherzigkeit, Erleichterung und Milde auszeichnet.

Ich bitte Allah für mich und für euch um Vergebung!

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Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten!

Die Religion, die Allah für die Menschen auserwählt hat, ist der Islam, da dieser am ehsten ihren Temperament entspricht. Allah machte Seine Religion für die Menschen sehr leicht. Sie entfernt alle Einschränkungen und Bürden, weil das für den Menschen mühsam ist. Sie lehrt die Menschen, immer Allahes Wohlgefallen zu suchen, sich Ihm anzuvertrauen und das von Ihm vorherbestimmte Schicksal zu akzeptieren, denn Er ist unendlich barmherzig, gütig und vergebend; Er erschafft alles für die Gerechten mit einem Zweck; Er ist Allmächtig.

Der Glauben an Allah, Dem Eigentümer aller Geschöpfe und Urheber aller stattfindenden Geschehnisse, die stattfinden, bedeutet den Ängsten, Sorgen und Mühsalen des menschlichen Lebens ein Ende zu bereiten. Für jemanden, der nach Seiner Religion lebt ist die Erleichterung und Schönheit, die sie ihm verschafft das Wichtigste. Darüber hinaus hat Allah alle Seine Gebote und Anordnungen dem Naturell der Menschen angemessen und keine Härte wird aus ihnen resultieren.

Allah erklärt im Quran, dass die Religion leicht ist und dass Er die Dinge für jene, die ihrer Religion folgen, leichter machen will:

Und Wir werden dich auf den leichtesten Weg bringen.

… Er hat euch erwählt und hat euch in der Religion nichts Schweres auferlegt, der Religion eueres Vaters Abraham. …

Im Licht der Verse lädt uns unser Prophet in Anlehnung an unsere Religion ein, folgendes zu erklären: „Religion ist Erleichterung“

Die Praktiken und Überzeugungen, die von den Menschen als Mühsal betrachtet werden, sind durch Polytheisten, Atheisten oder von jenen Personen, die andere von der Religion entfernen weitergegeben, in die Religionen übernommen und als wären sie ein Teil der wirklichen Religion. Andere wieder haben die Religion betreffend, eine prahlerische Haltung eingenommen. Sie sind der Meinung, dass es allgemein mehr akzeptiert wird, wenn sie schwierigere Dinge ausführen und sich selbst frömmer zeigen. Unser Prophet (s.a.w.s.) befahl den Muslimen um ihm herum, die Religion „leichter“ zu machen. Demnach sollen rechte Muslime seinen Geboten folgen und nicht unter den Folgen, die Dinge zu verkomplizieren, leiden.

Konzept des Sicherheitsabkommens in der modernen Zeit

Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten, Dem in Seiner ehrwürdigen Schrift sagt:

{وَأَوْفُوا بِالْعَهْدِ إِنَّ الْعَهْدَ كَانَ مَسْؤُولاً}

„Und haltet die Verpflichtung, denn über die Verpflichtung muß Rechenschaft abgelegt werden.“ (Sure 17:34).

Ich bezeuge, dass es keinen Gott da außer Allah ohne Teilhaber gibt, und ich bezeuge, dass unser Prophet Muhammad Sein anbetend Diener und Gesandter ist, der sagte: „Die bestens anbetend Dienenden Allahs sind diejenigen, die ihr Abkommen halten.“

Und nun zum Thema:

Der Islam ist eine Religion der Sicherheit, des Friedens, der Pietät und Wohltätigkeit, zweifelsohne ist das Halten des Abkommens ein großartiger menschlicher Wert, mit dem das Vertrauen und die Sicherheit unter den Menschen verwirklicht werden.

Die Sicherheit gehört zu den wichtigsten Gnaden, vielmehr ist die wichtigste Gnade darunter. Unser Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!) sagte: „Wer von euch in seiner Familie und Gruppe sicher, in seinem Körper gesund ist, und die Nahrung für seinen Tag besitzt, der ist, als ob er die ganze Welt in Besitz hätte.“

Die Sicherheit gehört indes zu den großartigsten Gnaden, die Allah Der Majestäte Seinen anbetend Dienern leiht. Der Gepriesene sagt: „Für die Vereinigung der Quraisch, ihre Vereinigung während der Reise des Winters und des Sommers. So sollen sie dem Herrn dieses Hauses dienen, Der ihnen Speise nach ihrem Hunger gegeben und ihnen Sicherheit nach ihrer Furcht gewährt hat.“ (Sure 106:1-4)

Der Quran verbindet die Sicherheit mit dem Glauben sowie mit dem Bewahren dieser Gnade und dem, dass man es weder verleugnet noch bestreiten, indem Der Gepriesene sagt: „Diejenigen, die glauben und ihren Glauben nicht mit Ungerechtigkeit verdecken, die haben (das Recht auf) Sicherheit, und sie sind rechtgeleitet.“ (Sure 6:82)

 „Allah prägt das Gleichnis einer Stadt, die Sicherheit und Ruhe genoß; ihre Versorgung kam zu ihr reichlich von überall her. Da wurde sie gegenüber den Gnaden Allahs undankbar. So ließ sie Allah das Kleid des Hungers und der Angst erleiden für das, was sie machten.“ (Sure 16:112)

Wir haben in der Gegenwart um uns eine Lehre, und zwar, wenn wir den Zustand solcher Staaten betrachten, die sich in die Klauen des Chaos, Zerfalles und der Zerstörung eintauchten, sei es in Form von einem Flüchtlingen, der unzählbaren Gefahren ausgesetzt ist, oder Vertriebenen, Inhaftierter, Blockierter, Märtyrer, Toten, Verletzter, Invaliden, Krüppel oder Behinderten, wo wir die verbrecherischen Terroristen diesen Zustand des Chaos und Zerfalles ausnützen gesehen haben, die menschlischen Grenze beim Vernichten bzw. Angriff an den Menschen zu überschreiten, sei es Verbrennen, Schleifen zum Tode, Gefangennehmen,  Vergewaltigung, und Beerdigung der Menschen lebend,  was uns stark dazu führt, die Gnade Allahs Des Majestäten bzw. die Sicherheit und Stabilität zu bewahren.

Um diese Gnade zu bewahren sind zwei Angelegenheiten zu beachten, nämlich: Erstens, dass wir Allah Dem Majestäten gegenüber dankbar sind, wobei Der Gepriesene sagt: „Und als euer Herr ankündigte: „Wenn ihr dankbar seid, werde Ich euch ganz gewiss noch mehr (Gunst) erweisen.“ (Sure 14:7)

Die Dankbarkeit betrifft nicht nur das Vermögen, sondern auch alle andere Gnaden.

Zweitens: Das Sich-Vereinigen und Begreifen dessen, wie groß bzw. schwer die Herausförderungen, die uns betreffen, sind. Wir sollen auch diejenigen schwer bestrafen, die zum Ermord, Vergießen des Blutes, Chaos und dem Zerfalles aufrufen, dienigen, die zum Angriff an die Polizisten und den öffentlichen Unternehmen aufrufen, darüberhinaus sollen wir auch bestätigen, dass jene Verbrecher dem Verdacht des größten Verrats ausgesetzt werden sollen, denn solche Verräter sind der heimlichen Sicherheit und Stabilität gegnüber am Gefährlichsten, weil sie sich unser Kleid anziehen, unser Essen essen, und trotzdem uns vom hinten niederstechen, vielmehr sind sie die Augen unserer Feinde.

Man soll indes die ausländischen Finanzierung und die Zeichen des plötzlichen unerhörten Reichtums bei denjenigen, betrachten, die ihre Religion, Heimat, Familien und noch ihre Menschlichkeit für einen Spottpreis verkaufen, während sie glauben, dass sie die Gesellschaft betrügen können.

Im Quran steht: „Gewiss, die Heuchler möchten Allah betrügen, doch ist Er es, der sie betrügt.“ (Sure 4:142)

Wenn einige von ihnen in der Läge gewesen wären, einige Mensche für eine Weile zu betrügen, ist es bestimmt unmöglich, alle Menschen für immer zu betrügen.

Der Gepriesene sagt: „Und stellt sie auf, denn sie werden befragt werden.“ (Sure 37:24)

„Und meine ja nicht, Allah sei unachtsam dessen, was die Ungerechten tun. Er stellt sie nur zurück bis zu einem Tag, an dem die Blicke starr werden, (sie kommen) hastend, die Köpfe hochhebend; ihr Blick kehrt nicht zu ihnen zurück, und ihre Herzen sind leer.“ (Sure 14:42-43)

„Heute wird jeder Seele das vergolten, was sie erworben hat. Heute gibt es kein Unrecht. Gewiss, Allah ist schnell im Abrechnen.“ (Sure 40:17)

Doch wie geht der Islam mit Andersgläubigen um? Gewährleistet der Islam den Anhängern anderer Weltanschauungen, ihre Identität zu wahren? Die 14 Jahrhunderte andauernde Geschichte des Islamischen Staates hat bewiesen, dass der Islam Andersgläubige weder unterdrückt noch von ihnen verlangt, ihre Identität aufzugeben. Beispielsweise wurde niemand dazu gezwungen, sich etwa zur Shariah zu bekennen – im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland, die fortlaufend von den Muslimen fordert, sich zum Grundgesetz zu bekennen. Dabei geht es wohlgemerkt nicht darum, sich an das Grundgesetz zu halten. Denn es ist dem deutschen Staat durchaus bekannt, dass sich gläubige Muslime an das Gesetz halten. Es geht vielmehr darum, dass die Muslime von ihrer Überzeugung ablassen sollen, dass Allah  Der Erhabene der einzig rechtmäßige Gesetzgeber ist. Somit geht es bei einem Bekenntnis stets um eine Glaubensangelegenheit. Der Islam bietet Angehörigen anderer Religionen Freiraum zur Erfüllung ihrer religiösen Pflichten, behandelt sie auf gütige und gerechte Weise, und niemand muss mit der Angst leben, er könnte seine Identität verlieren. Nun mag man sich die Frage stellen, wieso der Islam einerseits anderen Religionen Freiraum gewährt und gleichzeitig seine Verbreitung auf dem gesamten Globus anstrebt. Wieso ermöglicht das Kalifat ein Zusammenleben verschiedener Religionen, wo es doch seine Herrschaft und seine Ideologie über die gesamte Welt erstrecken mochte. Diese Frage wollen wir in diesem Artikel beantworten, um auch anhand dieses Aspektes die Wichtigkeit für das Vorhandensein eines Islamischen Staates – nicht nur für die Muslime sondern auch für die gesamte Menschheit – aufzuzeigen.

Allah  Der Erhabene hat den Qur’an hinab gesandt um alle Fragen und Probleme des menschlichen Lebens zu lösen. So hat Er  Der Erhabene auch die Fragen bezüglich der Koexistenz der Religionen beantwortet, indem Er  Der Erhabene Nichtmuslimen im Kalifat den Status von Dhimmis (Schutzbefohlenen) verliehen hat. Aufgrund der Rechenschaftspflicht gegenüber Allah  Der Erhabene am Tage des Gerichts, wird sich ein jeder Muslim strengstens davor hüten, die Rechte von Dhimmis zu beschneiden – wie er sich ebenso davor hütet, irgendein anderes göttliches Gesetz zu verletzen. Nur weil es sich bei Dhimmis um Nichtmuslime handelt, bedeutet das nicht, dass der Muslim die Gesetze Allahs weniger achtet. Wie wichtig es ist, die Rechte eines Dhimmis zu achten, verdeutlicht uns der Gesandte (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!): „Wer einem Schutzbefohlenen Leid zufügt, so bin ich sein Gegner. Und wessen Gegner ich bin, dessen Gegner werde ich am Tage der Auferstehung sein.“ (Kanz al-Ummal).

Zudem hat Allah  Der Erhabene deutlich gemacht, dass einem jeden Nichtmuslim der Schutz seiner Identität gewährt werden muss: ,,Es gibt keinen Zwang im Glauben.“ (2:256). Somit ist jeder Nichtmuslim davor sicher sich seiner Religion zwangsweise zu entledigen und kann sich frei entscheiden zu welcher Religion er sich bekennt. Außerdem werden sie dadurch weder in ihrer Religionsausübung gehindert, noch gestört. Auch stehen ihre Kirchen, Synagogen und Tempel im Schutze des Islamischen Staates, wodurch sie auch in der Gemeinschaft ihre Religion ausüben können. Zudem müssen sie nicht befürchten, aufgrund ihrer Religionsausübung ausspioniert zu werden, da Spionage im Islam verboten ist. Durch das dhimmi-Gesetz haben Nichtmuslime im Grunde die gleichen Rechte, wie auch die Muslime erhalten. So können sich auch Nichtmuslime an der Politik beteiligen und das tägliche Leben mitgestalten, sich an die gleichen Universitäten, wie die Muslime Wissen aneignen und Besitz durch Handel mit Muslimen oder Nichtmuslimen erwerben. Zudem sind die Schutzbefohlenen vom Militärdienst befreit und müssen sich nicht am Krieg gegen andere Staaten beteiligen. Jedoch ist es ihnen gestattet mitzuwirken, wenn es ihrem Willen entspricht, werden aber nicht dazu gezwungen. Auch wenn die Nichtmuslime sich nicht am Krieg beteiligen, so ist ihnen dennoch aufgrund ihres dhimmi-Status, der Schutz der Muslime vor feindlichen Übergriffen sicher und müssen nicht in ständiger Angst leben. Mit den Nichtmuslimen wird nicht wie im Westen umgegangen, indem man sie in Ghettos abschiebt und sie von den Muslimen absondert. Sie dürfen in Stadtbezirke ziehen, in denen sie unter Ihresgleichen sind, können aber auch Tür an Tür mit Muslimen leben und müssen nicht mit Belästigungen durch einen muslimischen Nachbar rechnen. So sagt der Prophet s.a.w.s.: „Dschibril legte mir immer wieder den Nachbarn ans Herz, bis ich dachte, er würde ihm einen Anteil am Erbe zuschreiben. “

Ein Nichtmuslim muss im Grunde nur eine Steuer an den Staat abgeben: die Dschizya (Schutzsteuer). Während Muslime die teurere Zakat entrichten müssen, werden die Nichtmuslime durch die Dshizya entlastet, wobei nur die Reichen unter ihnen gezwungen sind, diese abzugeben. Nichtmuslime, die nicht im Stande sind die Dschizya zu bezahlen, werden davon befreit. Außerdem werden immer wieder Überschüsse, die der Staat angesammelt hat und nicht benötigt werden, an die Bürger verteilt. Dabei wird kein Unterschied zwischen einem Muslim und einem Nichtmuslim gemacht.

Man erkennt nun, dass der Islam all die Probleme, die einem Zusammenleben der Religionen im Weg stehen könnten, beseitigt und keine diesbezügliche Frage offen gelassen hat. Es ist ganz klar deutlich geworden, dass allein der Islam es vermag ein zufriedenes Miteinander zu schaffen. So sind wir alle bemüht, uns um die Wiedererrichtung eines zutiefst gerechten Islamischen Staats mit all unserer Kraft einzusetzen. Möge Allah  uns die Ehre geben, zu denen, die dies vollbringen, zu gehören.

Ich bitte Allah für mich und für euch um Vergebung!

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Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten!

Der Islam ist eine Religion der Verbundenheit und Harmonie, der Brüderlichkeit und Solidarität. Er ist eine Religion, die seine Anhänger zur Liebe aufruft und die Gemeinschaft dazu beschwört, das Band der Beziehung sowohl unter ihren Kleinen als auch ihren Großen zu stärken. Er hat die Beziehungen zwischen den Geschöpfen auf gegenseitiger Barmherzigkeit und Mitgefühl aufgebaut. Der Makellose sagt: „O ihr Menschen! Wir haben euch wahrhaftig von Mann und Frau erschaffen, und Wir haben euch zu Völkern und Stämmen gemacht, damit ihr euch einander kennen lernet! …“ (Sure 49:13). Die Person, zu deren gütiger Behandlung sowie zu deren gutem Umgang und äußerstem Wohlwollen der Islam am meisten aufruft und vor dessen Störung und Kränkung er am stärksten warnt, ist der Nachbar. Auf Grund ihres authentischen Ursprungs und ihrer guten Erfahrung hatten sich die Araber im Islam und in der Zeit der Ignoranz und Unwissenheit dieser Sache verschrieben. Sie rühmten sich sogar mit der guten Nachbarschaft und werteten das Haus dem guten Benehmen des Nachbarn entsprechend. Sie widmeten sich der Auswahl des Nachbarn vor dem Kauf des Hauses. Der Islam kam, um diesem Nachbarn sein enormes Recht zu sichern. Der Makellose gibt in Seinem ehrwürdigen Offenbarungsbuch folgenden Rat: „Und dient anbetend Allah und gesellt Ihm nichts bei! Und den Eltern liebevolle Güte und den Verwandten und den Waisen und den Bedürftigen und dem nahen Nachbarn und dem fernen Nachbarn und dem Gefährten an der Seite …“ (Sure 4:36). Der Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!)teilte uns mit: „Der beste Gefährte bei Allah ist der beste zu seinem Gefährten. Und der beste Nachbar bei Allah ist ihr bester zu seinem Nachbarn.“ Der weise Gesetzgeber hat die Belästigung des Nachbarn zu einem Grund für das Betreten des Höllenfeuers gemacht, selbst wenn die Person gehorsame Taten und ihre Anbetungshandlungen verrichtet hat. In einem Hadîth von Abû Huraira möge Allah mit ihm zufrieden sein ist überliefert, dass ein Mann sagte: „O Gesandter Allahs, die und die Frau wird wegen ihrer vielen rituellen Gebete, ihres zahlreichen Fastens und ihrer häufigen Almosen erwähnt. Allerdings belästigt sie ihre Nachbarn mit ihrer Zunge.“ Er (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!)sagte: „Sie ist im Höllenfeuer.“ (Ahmad / von Al-Albanî als authentisch eingestuft). Der Prophet (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!)verneinte den Glauben desjenigen, vor dessen Übel seine Nachbarn nicht sicher sind, und sagte: „Bei Allah, er ist nicht gläubig, bei Allah, er ist nicht gläubig, bei Allah, er ist nicht gläubig!“ Man fragte: „Wer, o Gesandter Allahs?“ Er (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!)entgegnete: „Der, dessen Nachbarn nicht vor seinem Unheil sicher sind.“ (Al-Bucharî).Der Muslim ist der, vor dessen Zunge und Hand die Muslime sicher sind. All dies gilt als Erinnerung an die Bedeutung des Nachbarn, an dessen erhabene Position und Stellung. Was machst du Armer, wenn du vor dem Herrn der Welten stehst und dein Nachbar sich über dich beschwert und sagt: „O Herr, mein Nachbar hat mir das mir zustehende Recht der Nachbarschaft nicht gewährt und sich mir gegenüber nicht ordentlich verhalten! Er hat mich mit seinem Auge belästigt, indem er die weiblichen, zur Heirat verwehrten Mitglieder meiner Familie anblickte. Er hat mich mit seinem Gehör belästigt, indem er sich meiner Geheimnisse annahm. Und er hat mich mit seiner Zunge belästigt, indem er sich über meine Fehler lustig machte!“?Zu den Rechten des Nachbarn gegenüber seinem Nachbarn gehört weiterhin, dass er dessen Situation einschätzt, sich einen Überblick über dessen Situation und sein Leben verschafft und ihn somit vor der Erniedrigung bewahrt zu betteln, wenn er arm oder bedürftig sein sollte. Der Gesandte Allahs (Allah segne ihn und schenke ihm Wohlergehen!)sagte: „Wer die Nacht satt verbringt und sein Nachbar zu seiner Seite ist hungrig und er weiß über ihn Bescheid, hat nicht an mich geglaubt.“ (At-Tabaranî / von Al-Albanî als authentisch eingestuft). Dieses Recht verstärkt sich, wenn der gesegnete Monat Ramadan anbricht und seine süßen Tage und Nächte sich in unserem Tal niederlassen.Wenn sich jeder um seinen Nachbarn kümmern und seine Situation kennen würde, würde sich zwischen den Mitgliedern der Gemeinschaft ein Klima der Brüderlichkeit ausbreiten und die Wolken der Liebe würden sich über die Herzen der Kleinen und Großen legen. Sie würden das beste Leben führen,  Unglück und Härte des Lebens würden verschwinden. Möge Allah der Majestätische uns dazu verhelfen, die Rechte des Nachbarn zu erfüllen! Möge Er uns Seinen ausgewählten und reinen anbetend Dienenden helfen lassen! Aller Lobpreis gebührt Allah dem Herrn der Welten!