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Freitagspredigt am 10. 05 (Monat Ğumāda al-᾿ūlā) 1437 (islamischer Kalender) 19.02.2016
Das Recht der Kinder auf gute Erziehung und gutes Leben

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Einteilung der Predigt

  • Kinder sind eine Gnade Gottes.
  • Der Islam sorgte für Kinder.
  • Grundlagen der guten Erziehung der Kinder,
  • Die Notwendigkeit, ein angenehmes Leben für Kinder zu verschaffen.
  • Die Wichtigkeit der Hoffnung in unserem Leben. 

Inhalt der Predigt

Zu den größten Gnaden Gottes, die Er den Menschen bescherte, gehört die Gnade des Glaubens und die Kinder. Gott verschenkt von seinem Dienern die Gnade der Kinder, wem Er will. Sie machen das Leben lebendig und beleuchten die Häuser und machen eine schöne soziale Atmosphäre zu Hause. Der Koran weist darauf hin:

„Gott gehört die Herrschaft über die Himmel und die Erde. Er erschafft, was Er will. Er schenkt, wem Er will, Töchter und wem Er will, Söhne, oder Er schenkt dem einen beides, Töchter und Söhne und lässt unfruchtbar sein, wen Er will. Gottes Wissen und Allmacht sind unermesslich.“ (42:49-50)

Gott, der Erhabene, bezeichnet die Kinder als Schmuck und Zierde des Lebens:

„Das Vermögen und die Söhne sind Schmuck und Zierde des irdischen Lebens. Doch die unvergänglichen guten Werke sind die besten bei deinem Herrn, werden sie doch hoch von ihm vergolten und stellen die wahre Hoffnung dar.“ (18:46)

Diese Gnade der Kinder sollte man beschützen und Gott dafür danken und bitten, dass Er sie beschützt, genauso wie der Prophet Abraham, Friede sei mit ihm, Gott darum bat:

„Gott sei gelobt, Der mir im Alter Ismael und Isaak geschenkt hat. Mein Herr erhört die Bittgebete. Unser Herr! Mache, dass ich das Gebet ordnungsgemäß verrichte und desgleichen die Rechtschaffenen von meinen Nachkommen!. Unser Herr! Erhöre unsere Bitte!“ (14:39-40)

Der Islam sorgte für die Kinder in einer genauen Art und Weise, damit sowohl Eltern als auch Kinder ein glückliches Leben führen. So ordnet und regelt der Islam die Kriterien, nach denen man seine Ehepartner auswählen sollte. Dies zeigt der Prophet Muhammad in einem Ḥadīṯ in Bezug auf die Wahl einer Ehefrau: „… suche diejenige, die religiös ist“ (bei Imam Muslim überliefert). Der Islam sorgt auch für das Kind seit der ersten Phase seiner Kindheit und regelt rechtliche Bestimmungen für den Schutz des Kindes und seine Mutter. So ist einer schwangeren Frau erlaubt, nicht zu fasten, wenn das Fasten für sie und ihre Schwangerschaft ungesund ist.

Nach islamischen Lehren hat das Kind das Recht, dass seine Eltern ihm ein guten Vornamen aussuchen. Der Islam bevorzugt sogar bestimmte Namen und verbietet andere, die ihm zukünftig stören und seine Gefühle verletzten könnten.

Einmal kam ein Mann zum Prophetengefährten Umar ibn Al-Ḫaṭṭāb und beschwerte sich über das schlechte Benehmen seines Sohnes. So ließ Umar den Sohn kommen und sprach mit ihm über diesen Ungehorsam gegenüber seinen Vater  und wie er das Recht seines Vaters vernachlässigt. Der Junge fragte dann Umar, ob ein Kind nicht auch Rechte gegenüber seinem Vater hatte?  Umar antwortet: „Bestimmt, er soll die richtige Mutter wählen, ihm einen schönen Namen geben und ihm das Buch Gottes, den Koran lehren. Der Junge entgegnete: „Mein Vater hat keines dieser Rechte erfüllt. Meine Mutter ist eine Feueranbeterin, er gab mir den Namen Ju῾lan (d.h. auf Arabisch: Mistkäfer) und er lehrte mich nicht einmal einen einzigen Buchstaben vom Koran.“ Umar drehte sich zum Vater und sagte: „Du bist zu mir gekommen, um dich über den Ungehorsam deines Sohnes dir gegenüber zu beschweren. Du hast die Rechte gegenüber ihm nicht erfüllt, bevor er die Rechte dir gegenüber nicht eingehalten hat. Du hast dich ihm gegenüber falsch verhalten, bevor er sich dir gegenüber falsch verhalten hat.“

Sufyān aṯ-Ṯaurī meint in diesem Zusammenhang, dass zu den Rechten des Kindes gegenüber seinem Vater gehört, dass er ihm einen guten Namen gibt, ihn gut erzieht und ihm beim Heiraten hilft.

Der Islam macht auch das Stillen zu einem anerkannten Recht des Kindes, das die Mutter einhalten sollte, solange kein medizinischer Grund daran hindert:

„Die Mütter haben ihre neugeborenen Kinder zwei volle Jahre zu stillen, wenn sie das Stillen zu Ende führen wollen. Der Vater hat die stillende Mutter (auch wenn sie geschieden ist ) mit Nahrung und Kleidung angemessen zu versorgen. Unmögliches sollte von keinem verlangt werden. Keine Mutter soll durch die Sorge für ihr Kind zu Schaden kommen, und kein Vater soll durch die Sorge für sein Kind Schaden erleiden. Wenn ein Vater stirbt, hat sein Erbe für den Unterhalt des Kindes aufzukommen. Sollten die Eltern sich dafür entscheiden, das Kind (vor Ablauf der zwei Jahre) abzustillen, so dürfen sie das tun, vorausgesetzt, daß sie sich darüber beraten und dieses gemeinsam vereinbart haben. Wenn ihr wünscht, für das Kind eine Amme zu nehmen, die es (anstelle der Mutter) stillt, so dürft ihr das tun, vorausgesetzt, daß ihr (der Mutter und der Amme) den gebührenden Unterhalt wohlwollend bezahlt. Fürchtet Gott und wißt, daß Er alles sieht, was ihr tut!“ (2:233)

Die modernen medizinischen Studien zeigen, wie gesund das natürliche zweijährige Stillen für Kinder ist. Die Eltern sollen auch mit ihren Kindern spielen und ihnen freie Zeit zur Verfügung stellen, Der Prophet Muḥammad, Frieden und Segen auf ihm, lehrt uns, wie ein Erzieher barmherzig sein sollte. Einmal predigte er auf der Kanzel, als er seine Enkelsöhne al-Ḥasan und al-Ḥusain laufen und stolpern sah. Er trägt beide in aller Barmherzigkeit. (Bei an-Nasāī᾿ überliefert)

Im Islam gehören die Eigenschaften der Liebe, Barmherzigkeit zu den Voraussetzungen des Erziehers. Dazu gehört auch die Gerechtigkeit zwischen den Kindern und dass die Eltern kein ihrer Kinder vor den anderen bevorzugen. Wenn Eltern diese Regel der Gerechtigkeit im Verhalten mit Kindern nicht berücksichtigen, könnte dies zukünftig psychologische Problem für sie verursachen. In der Geschichte des Propheten Joseph mit seinen Brüdern zeigen sich dieses Gefühl und dieses Fehlverhalten der Brüder, weil sie dachten, dass der Vater das Kind Josef vor ihnen bevorzuge:

„Die Geschichte von Joseph und seinen Brüdern ist reich an Zeichen, die den nach Wissen Suchenden zur Lehre gereichen. Josephs Brüder sprachen: „Unser Vater liebt Joseph und seinen Vollbruder mehr als uns, die wir eine mächtige Schar sind. Unser Vater begeht einen eindeutigen Fehler. Tötet Joseph oder schafft ihn weit weg, so werdet ihr das liebende Antlitz eures Vaters für euch allein haben! Ihr werdet euch dann bessern und gute Menschen werden.““ (12:7-9)

Zu den Regeln der Erziehung im Islam gehört auch, dass die Eltern ihren Kindern die Gottesfurcht und die Berücksichtigung der rechtlichen Bestimmungen der Religion einzuhalten lehren. Das Ziel für solche Erziehung liegt darin, dass sowohl Eltern als auch ihre Kinder in s Paradies kommen und vor dem Feuer im Jenseits gerettet werden:

„O Ihr Gläubigen! Schützt euch und eure Angehörigen vor dem Höllenfeuer, dessen Brennstoff Menschen und Steine sind! Darüber herrschen harte und strenge Engel, die sich Gott nicht widersetzen, was immer Er ihnen vorschreibt und die alles ausführen, was ihnen befohlen wird.“ (6:66)

Eltern sollen ständig ihren Kindern das Gute in guter Art und Weise beibringen. Abd Gott ibn Abbas, Gottes Wohlgefallen auf beiden, sagt: Ich war eines Tages hinter dem Propheten, Frieden und Segen seien mit ihm. Er sagte mir: „O Jüngling, ich lehre dich einige Worte: Bewahre Gott, dann bewahrt Er dich. Bewahre Gott, dann findest du Ihn vor dir. Wenn du bittest, dann bitte von Gott. Wenn du Hilfe suchst, dann suche Hilfe bei Gott. Und wisse, dass die (gesamte) Gemeinschaft, wenn sie sich versammelte, dir in einer Sache zu nutzen, sie dir nur in etwas nutzt, das Gott schon für dich niedergeschrieben hat, und dass sie, wenn sie sich versammelte, dir in einer Sache zu schaden, sie dir nur in etwas schadet, das Gott schon für dich niedergeschrieben hat. Die Schreibfedern sind hochgehoben und die Seiten getrocknet.“

Schließlich sollen die Eltern den Kindern eine gute Erziehung bieten und ihnen die Grundlagen der Religion lehren sowie die Liebe zur Religion in ihre Herzen legen, weil das zu Aufgaben der Eltern gehört. Der Gesandte Gotts (Gotts Segen und Friede auf ihm) sagte: „Wahrlich, ihr seid alle Hirten, und jeder von euch ist verantwortlich für das, was er zu hüten hat: der Befehlshaber, der über alle Menschen eingesetzt worden ist, ist ein Hirt, und er ist für sie verantwortlich. Und der Mann ist ein Hirt für die Leute in seinem Haushalt, und er ist für sie verantwortlich. Und die Frau ist für die Leute des Haushalts ihres Mannes und für seine Kinder eine Hirtin, und sie ist verantwortlich für sie. Wahrlich, ihr alle seid Hirten, und jeder von euch ist verantwortlich für das, was er zu hüten hat.“ (bei Buḫārī überliefert)

Die Eltern sollen auch Hoffnung in ihnen erwecken und sie lehren, dass man die Hoffnung auf Barmherzigkeit Gottes nicht verlieren darf.