Aktuelle Nachrichten
 

Die Zusammenarbeit und ihre Regeln

Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten, Dem in Seiner ehrwürdigen Schrift sagt:

„Und sprich:“Wirket! Allah wird euer Werk schauen, und so Sein Gesandter und die Gläubigen. Und zurück sollt ihr gebracht werden zu dem Kenner des Verborgenen und des Offenbaren; dann wird Er euch verkünden, was ihr zu tun pflegtet.“.“ (Sure 9:105).

Ich bezeuge, dass es keinen Gott da außer Allah ohne Teilhaber gibt, und ich bezeuge, dass unser Prophet Muhammad Sein anbetend Diener und Gesandter ist.

Und nun zum Thema:

Der Mensch ist ein soziales Wesen. Er neigt zur Gesellschaft mit anderen, um seine Interessen und seine Wünsche, dies kommt nur durch die Zusammenarbeit mit anderen zustande, wenn man als Individuum einer Gesellschaft  lebt. Die Interessen der Individuen, der Moschee, der Gemeinschaft etc. können nur in Zusammenarbeit auf der Grundlage von Frömmigkeit und demütiger Ehrfurcht gegenüber Allah durchgesetzt werden. Mit einem einzigen Pfeil betreten eventuell drei Leute das Paradies. Wenn ihn der Erste nicht herstellt und der Zweite nicht vorbereitet, hat der Dritte nichts zu schießen. Daher benötigt man Gruppenarbeit, um das Ziel zu verwirklichen. Wenn wir die Ameisen und Bienen betrachten, sehen wir, dass es dort genauso ist. Damit wir den Honig aus der Wabe ernten können, arbeiten die Bienen in einem bestimmten Ablauf. Es gibt Königinnen, Arbeiterinnen und Drohnen. Wir können diesen Honig nicht nur durch die Arbeit der Königinnen erhalten. So muss sich der Muslim in seiner Gesellschaft mit seinen Brüdern verhalten. Es darf ihn nicht kümmern, ob sie ihn an den Anfang,  oder an die Nachhut gestellt haben. Er macht seine Arbeit auf die beste Weise und ist Allah in allen Dingen gegenüber aufrichtig.

Man hat festgestellt, dass die Leute, wenn sie nicht durch das Recht vereint, durch das Falsche geteilt werden. Und wenn sie das anbetende Dienen Allahs nicht vereint, zerreißt sie die das anbetende Dienen des Teufels. Und wenn sie die Gnadenerweise des Jenseits nicht locken, ringen und streiten sie über die vergänglichen Genüsse des weltlichen Lebens. So ergeht es leider einigen unter uns heutzutage, der Eine hegt Hass gegen den Anderen. Wenn dies nicht geschieht, ist es bloß ein flüchtiges Kompliment. Der Grund dafür ist der schwache Verstand: „Du meinst, sie halten zusammen, doch ihre Herzen sind verschieden. Dies (ist so), weil sie Leute sind, die nicht begreifen.“ (Sure 59:14).

Die Verbindung, die uns zu einem einzigen Körper werden lässt, ist die Verbindung des Islam. Ohne diese sind wir wie in der Zeit der vorislamischen Ignoranz oder noch schlimmer. Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Kehrt nach mir nicht zum Kufr zurück, indem ihr euch gegenseitig die Köpfe abschlagt!“ Überliefert von Al-Buchari und Muslim.

Angesichts des religiösen Zusammenhalts zerfallen die Verbindungen der Abstammung, des Nationalismus, des Patriotismus, der Parteizugehörigkeit und jeder Form des Fanatismus für falsche Werte. Allah der Erhabene sagt: „Und haltet alle fest am Seil Allahs und geht nicht auseinander! Und gedenkt Allahs Gunst an euch, als ihr Feinde wart und Er dann eure Herzen zusammenführte, worauf ihr durch Seine Gunst Brüder wurdet…“ (Sure 3:103).

Wir erleben eine Epoche, in der die muslimische Gemeinschaft unterschiedlichen Bedrohungen ausgesetzt ist.

Wir leugnen nicht, dass die Gründe unserer Schwäche und heutigen Spaltung, die den Gegnern die Macht über uns verliehen haben, zahlreich sind. Dies alles hindert uns aber nicht daran, aktiv zu sein und uns auf einen Anfang zu konzentrieren. Unsere Differenzen hinsichtlich Meinungen, Rechtsschulen, König, Politik und persönliche Vorstellungen dürfen uns nicht daran hindern, die Brüderlichkeit im Glauben zu verwirklichen und auf der Grundlage von Frömmigkeit und demütiger Ehrfurcht gegenüber Allah zusammenzuarbeiten. Anstatt dessen sollten wir alle diese Differenzen als Folge dieses großen ursprünglichen Problems sehen. Das Interesse der Vereinigung ist ein holistisches Interesse. Die Forderung der Religion nach Einigkeit und ihr Verbot, uns zu spalten, sind wichtiger und werden allem vorangestellt. So verhält sich, wer die Grenzen Allahs einhält und das Ausmaß der Gefahren erkennt, die seine Umma bedrohen. Das Blut eines Muslims ist gleichwertig mit dem irgendeines anderen Muslims, selbst der geringste unter ihnen befindet sich in ihrem Schutz. Sie sind eine Hand gegen ihre Gegner. Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Der Gläubige ist für den Gläubigen wie ein Mauerwerk. Sie halten sich gegenseitig.“ Dann verschränkte der Prophet (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) seine Finger ineinander.

Der Gesandte Allahs (möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken) sagte: „Wer einem Gläubigen eine weltliche Sorge nimmt, dem nimmt Allah eine Sorge des Jüngsten Tages. Und wer einer Person in Schwierigkeiten Erleichterung verschafft, dem verschafft Allah im Diesseits und im Jenseits Erleichterung. Und wer eine Sünde eines Muslims verheimlicht, dessen Sünden verheimlicht Allah im Diesseits und im Jenseits. Und Allah hilft dem anbetend Dienenden, solange der anbetend Dienende seinem Glaubensbruder hilft.

In einem weiteren Hadith heißt es: „Jeder, der einen Muslim in Situationen im Stich lässt, in denen dessen Ehre verletzt und dessen Unverletzlichkeit missachtet wird, den wird Allah dann im Stich lassen, wenn er Seine Hilfe erhofft. Und jeder, der einen Muslim in Situationen unterstützt, in denen dessen Ehre verletzt und dessen Unverletzlichkeit missachtet wird, den unterstützt Allah dann, wenn er Seine Hilfe erhofft.“

Als einige Leute am Tag der Belagerung des Hauses von Uthman den Kalifen Uthman ibn Affan töten wollten, kam Abdullah ibn Salam. Uthman fragte ihn: „Warum bist du gekommen?“ Er entgegnete: „Ich bin gekommen, um dir zu helfen.“ Er sagte: „Geh zu den Menschen hinaus und jage sie von mir weg! Du nützt mir mehr, wenn du hinausgehst, als wenn du drinnen bleibst.“ Abdullah ging zu den Menschen hinaus und sagte unter anderem: „Allah hat wahrhaftig ein Schwert, das Er nicht gegen euch zückt. Und die Engel sind wahrhaftig neben euch in eurer Stadt, in der euer Prophet sich niederließ. So fürchtet Allah, fürchtet Allah um diesen Mann [Uthman], hütet euch, ihn zu töten! Bei Allah! Wenn ihr ihn tötet, verjagt ihr eure Nachbarn, nämlich die Engel, und zückt das vor euch geschützte Schwert Allahs heraus, das dann bis zum Tag der Auferstehung nicht mehr in seiner Scheide stecken wird.“

Als Ibn Muldscham Al-Charidschi auf Ali  eingestochen hatte, betrat dieser sein Haus und verlor das Bewusstsein. Als er wieder zu sich gekommen war, rief er Al-Hasan und Al-Husain  zu sich und sagte: „Ich rate euch, Allah den Erhabenen, zu fürchten und nach dem Jenseits und der Enthaltsamkeit im Diesseits zu streben. Trauert nichts hinterher, was euch in ihm entgangen ist, denn ihr werdet es verlassen! Tut das Gute! Rechnet mit dem Ungerechten ab und helft dem ungerecht Behandelten!“ Dann rief er seinen Sohn Muhammad und fragte ihn: „Hast du gehört, was ich deinen Brüdern geraten habe?“ Er antwortete: „Ja!“ Er sagte: „Das rate ich auch dir!“

Man erzählt, dass eine Frau, als sie in Gefangenschaft geraten und ihre Ehre beschmutzt worden war, rief: „O Mu’tasim!“ Als Mu’tasim dies erfuhr, bestieg er, ohne zu zögern, sein Pferd und das Heer folgte seinen Spuren, bis Amorion eingenommen wurde. Dann fragte Mu’tasim: „Wo ist die, die gerufen hat?“

Umar ibn Al-Chattab befürchtete, dass eine Ziege im Tal des Euphrat stolpern könnte und er am Jüngsten Tag gefragt werden könnte, warum er ihr nicht den Weg geebnet habe. Wie fürchtete er dann erst, dass ein Muslim stolpern oder zu Unrecht getötet werden würde?

Uwais ibn Amir, der Beste unter den Schülern der Prophetengefährten, bat seinen Herrn um Vergebung, weil er die Nacht gesättigt verbrachte, obwohl es auf der Erde durstige und hungrige Seelen gab.

In der Zeit, in der die Religion als fremd empfunden wird, sind manche so töricht geworden, dass sie den Feinden des Islam und den Feinden der Muslime helfen und diese sogar mit allen Mitteln unterstützen. In einer Zeit, in der die Feinde unsere Frauen zu Witwen und unsere Kinder zu Waisen machen, unsere Ehre verletzen, unsere Länder besetzen und weder unsere Verwandtschaft noch unsere Verträge beachten. Möge ein derartiger Muslim doch zum Islam zurückkehren, mit dem Gesetz seines Herrn regieren und sich um die Bedürfnisse der Muslime kümmern! Wer sich nämlich nicht für die Angelegenheiten der Muslime interessiert, gehört nicht zu ihnen. Solche Personen erinnern wir an die folgende Aussage Allahs des Erhabenen: „… Helft einander zur Güte und Gottesfurcht, aber helft einander nicht zur Sünde und feindseligem Vorgehen …“ (Sure 5:2).

Zu guter Letzt: es ist allgemein bekannt, dass die Angelegenheiten der Menschen untereinander nicht geregelt werden, sie keine Eintracht erlangen werden und ihr Feind sie nicht respektieren wird, bis es eine islamische Solidarität gibt, deren Wesen in der Zusammenarbeit auf den Grundlagen der Frömmigkeit besteht sowie in der demütigen Ehrfurcht gegenüber Allah, der Integration, der Solidarität, des Mitgefühls und der Aufrichtigkeit in der Religion der Wahrheit und in der Geduld. Dies gehört ohne Zweifel zu den wichtigsten islamischen Aufgaben und den verbindlichsten Pflichten. Möge Allah alle zur Arbeit mit Seiner Rechtleitung und zum Streben nach Gutem für Land und Leute verhelfen!

Ich bitte Allah für mich und für euch um Vergebung!

***

Alles Lob gebührt Allah, Herrn der Welten!

Geschwister im Islam:

Dem Wort Gemeinschaft werden bestimmte Nebenbedeutungen zugeschrieben, die teils romantisch und nostalgisch, teils abfällig und reaktionär sind. Da wir jedoch die Grundlagen behandeln möchten, werden wir unsere Erörterung auf die grundlegendsten Bedeutungen des Wortes Gemeinschaft beschränken.

In einem grundlegenden Sinne bedeutet der Begriff Gemeinschaft „Alle Beziehungsarten, die durch ein hohes Maß an persönlicher Intimität, emotionaler Tiefe, moralischen Verpflichtungen, sozialem Zusammenhalt und zeitlicher Kontinuität gekennzeichnet sind…. Sie sind in… Gegenden, Religionen, Nationen, Rassen, Berufen oder (gemeinschaftlichen Angelegenheiten) zu finden.

Die islamische Gemeinschaft hat einen historischen Auftrag, der weit über bloßes Überleben, reine Macht, Fortpflanzung oder physiologisches Fortbestehen hinausgeht. Dieser Auftrag wird im ehrwürdigen Quran wie folgt beschrieben:

Und es soll aus euch eine Gemeinschaft werden, die zum Guten aufruft, das Rechte gebietet und das Verwerfliche verbietet. Jene sind es, denen es wohl ergeht. (Sure 3:104). Ihr seid die beste Gemeinschaft, die für die Menschen hervorgebracht worden ist. Ihr gebietet das Rechte und verbietet das Verwerfliche und glaubt an Allah… (Sure 3:110).

Die historische Rolle der islamischen Gemeinschaft besteht darin, die wahre Verkörperung der Tugend, des Förderlichen und Edlen zu sein. Eine wirklich islamische Gemeinschaft ist der wachsame Hüter der Tugend und der erbitterte Feind der Untugend. Was von der Gemeinschaft insgesamt verlangt wird, wird gleichermaßen von jedem einzelnen Mitglied verlangt. Dies liegt daran, dass die gesamte Gemeinschaft ein homogenes Gebilde und jedes Mitglied vor Allah verantwortlich ist. Die Rolle des einzelnen Muslims wird mit folgender Aussage des Propheten bestens beschrieben:

Wer von euch etwas Schlechtes sieht, der soll es eigenhändig ändern. Wenn er das nicht kann, dann mit seiner Zunge. Und wenn er das nicht kann, dann mit seinem Herzen. Und dies ist der schwächste Glauben.

Wie man sehen kann, ist diese Beschreibung sehr aussagekräftig und umfassend. In der heutigen Zeit revolutionärer Medien kann niemand, der bei vollem Verstand ist, die Macht des abgestimmten Handelns, die Macht der kommunizierbaren Worte oder die Macht der Gefühle unterschätzen.

Die historische Rolle der islamischen Gemeinschaft wird überdies in folgendem Quran-Vers erklärt:

Und so haben Wir euch zu einer Gemeinschaft der Mitte gemacht, damit ihr Zeugen über die (anderen) Menschen seiet und damit der Gesandte über euch Zeuge sei… (Sure 2:143).

O Allah, lass uns die Sicherheit in unseren Ländern erfreun!