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Die Gefahr der zerstörerischen Aufrufe und die Notwendigkeit, diesen
gegenüberzutreten, damit Sicherheit und Stabilität gewährleistet werden.
Freitagspredigt am 27. 02 (Monat Ṣafar). 1437 (islamischer Kalender)11.12.2015

awkaf

Einteilung der Predigt

  • Sicherheit und Stabilität als Gnade im Islam
  • Stabilität in der Heimat ist eine religiöse und nationale Notwendigkeit
  • Zu Faktoren der Stabilität in der Heimat gehören:

    • Liebe zur Heimat
    • Versöhnung und Kooperation zwischen Menschen zu verbreiten
    • Gehorsam gegenüber dem Befehlshaber bezüglich der Gehorsames gegenüber Gott und dem Dienst der Heimat
  • Warnung vor Versuchungen und Drangsalen
  • Die Gefahr der zerstörerischen Aufrufe hinstrich des Individuums und der Gesellschaft
  • Die Notwendigkeit, diesen Aufrufen gegenüberzutreten

 

Belege aus dem Koran

  1. „Und als Abraham sagte: Mein Herr, mach dies zu einem sicheren Ort und gib Früchte den dort Wohnenden …“ (al-Baqara 2:126)
  2. „Und damals sagte Abraham: Mein Herr, mache diese Stadt zu einer Stätte des Friedens und bewahre mich und meine Kinder davor, die Götzen anzubeten …“ (Ibrāhīm 14:35)
  3. „Die da glauben und ihren Glauben nicht mit Ungerechtigkeiten vermengen – sie sind es, die Sicherheit haben und die rechtgeleitet werden.“ (al-Anʿām 6:82)
  4. „Für die Vereinigung der Quraisch , (für) ihre Vereinigung zur Reise in der Karawane des Winters und des Sommers. So sollen sie denn dem Herrn dieses Hauses dienen, Der sie speist, nachdem sie gehungert haben, und ihnen Sicherheit gewährleistet, nachdem sie in Angst lebten!“ (Quraiš 106:1-4)
  5. „Haben Wir ihnen denn kein sicheres Schutzgebiet errichtet, zu dem die Früchte aller Art gebracht werden als Versorgung von Uns? Jedoch die meisten von ihnen wissen es nicht.“ (al-Qaṣaṣ 28:57)
  6. „Haben sie denn nicht gesehen, dass Wir ein Schutzgebiet sicher gemacht haben, während die (anderen) Menschen in ihrer Umgebung hinweggerissen werden? Wollen sie da noch an (etwas) Falsches glauben und die Huld Gottes leugnen?“ (al-ʿAnkabūt 29:67)
  7. „Und Wir setzten zwischen sie und die Städte, die Wir gesegnet hatten, (andere) hochragende Städte, und Wir erleichterten das Reisen zwischen ihnen: Reist zwischen ihnen bei Tag und Nacht in Sicherheit umher. (Sabaʾ 34:18)
  8. „Diejenigen, zu denen die Leute sagten: Seht, die Leute haben sich bereits gegen euch geschart; fürchtet sie darum! – nun stärker wurden sie im Glauben und sagten: Uns genügt Gott, und Er ist der beste Anwalt!“ (Āl ʿImrān 3:173)
  9. „Und hütet euch vor einer Drangsal, die gewiss nicht bloß die unter euch treffen wird, die Unrecht getan haben. Und wisset, dass Gott streng im Strafen ist.“ (al-Anfāl 8:25)
  10. „Wahrlich, jenen, die wünschen, dass sich Unzucht unter den Gläubigen verbreite, wird im Diesseits und im Jenseits eine schmerzliche Strafe zuteil sein. Und Gott weiß, und ihr wisset nicht.“ (an-Nūr 24:19)
  11. „O ihr, die ihr glaubt, gehorcht Gott und gehorcht dem Gesandten und denen, die unter euch Befehlsgewalt besitzen. Und wenn ihr über etwas streitet, so bringt es vor Gott und den Gesandten, wenn ihr an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag. Das ist das Beste und nimmt am ehesten einen guten Ausgang.“ (an-Nisāʾ 4:59)
  12. „Und wenn ihnen etwas zu Ohren kommt, dass Sicherheit oder Furcht betrifft, machen sie es bekannt. Hätten sie es aber vor den Gesandten und vor jene gebracht, die unter ihnen die Befehlsgewalt besitzen, dann würden es sicherlich die unter ihnen, die es entschleiern könnten, wissen. Und wäre nicht Gottes Gnade über euch und Seine Barmherzigkeit, wäret ihr alle dem Satan gefolgt, bis auf wenige Ausnahmen.“ (an-Nisāʾ 4:83)

Belege aus der Sunna

  1. Salama ibn ʿUbaid-u-llāh ibn Miḥṣan al-Ḫaṭmīy überliefert von seinem Vater, dass der der Gesandte Gottes, Gottes Segen und Heil auf ihm, sagte: „Wer von euch aufsteht, sicher in seinem Heim, gesund an seinem Körper, die bloße Menge an Nahrung, die er für den Tag benötigt, besitzt er, dann ist es so, als wäre für ihn die gesamte Welt eingefangen und mit allem, was darin ist!“ (bei Termiḏī überliefert)
  2. Ibn ʿAbbās sagt: Ich hörte den Gesandten Gottes, Gottes Segen und Heil auf ihm, sagen: „Zwei Augen werden vom Höllenfeuer niemals berührt: ein Auge, das aus demütiger Ehrfurcht gegenüber Gott weinte, und eins, das um Gottes willen nachts wacht.“ (bei Termiḏī überliefert)
  3. ʿAbdullāh ibn ʿAdī ibn Ḥamrāʾ sagte: Ich sah den Gesandten Gottes, Gottes Segen und Heil auf ihm, bei der Stelle Ḥazwara bei Mekka stehen und sagen: Bei Gott, du bist das beste Land Gottes und das beliebteste Land zu Gott. Hätte man mich von dir nicht vertrieben, dann wäre ich nicht gegangen“ (Im Musnad von Aḥmad und bei Termiḏī überliefert)
  4. Ibn ʿAbbās sagt, dass der Gesandten Gottes, Gottes Segen und Heil auf ihm, zu Mekka sagte: „Was für ein gutes Land bist du und wie lieb du für mich bist. Hätten mich deine Leute nicht vertrieben, hätte ich nicht in einem anderen Ort gewohnt.“ (überliefert bei Termiḏī)
  5. ʿĀiša überliefert, dass der Prophet Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagt: „Gott möge für uns die Medina genauso lieb machen, wie er uns Mekka lieben ließ“ (überliefert bei Buḫārī)
  6. Abū Huraira berichtet: Ich hörte den Gesandten Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagen: „Wer mir gehorcht, der gehorcht Gott und wer mir nicht gehorcht, der gehorcht Gott nicht. Wer den Herrscher gehorcht, der gehorcht mir und wer dem Herrscher nicht gehorcht, der gehorcht mir nicht. Der Imam ist ein Schutz, hinter ihm man kämpfen soll und durch den man geschützt wird. Wenn er mit Gottesfurcht und Gerechtigkeit befiehlt, so wird dafür (von Gott) belohnt und wenn er anders anordnet, dann gilt das gegen ihn.“ (überliefert bei Buḫārī)
  7. Von Abū Huraira wird überliefert, dass der Gesandte Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Wer (dem Herrscher) nicht gehorcht und die (muslimische) Gemeinde verlässt und dabei stirbt, der stirbt wie die Leute vor dem Islam (ğāhilīya). Wer unter einem unbekannten (zwischen Gutem und Bösem nicht unterscheidend) und rassistischen Banner kämpft und dabei stirbt, der stirbt wie die Leute vor dem Islam (ğāhilīya). (Bei Muslim überliefert)
  8. Von Abū Huraira wird überliefert, dass der Gesandte Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Es wird eine Zeit der Drangsale und Versuchungen kommen, in der es dem Sitzenden besser als dem Stehenden, und dem Stehenden besser als dem Gehenden, und dem Gehenden besser als dem geht, der sich daran beteiligt, was sich um ihn herum abspielt. Wer die Versuchungen jener Zeit erstreben wird, wird daran zugrunde gehen. Und wer in jener Zeit einen Zufluchtsort finden wird, der soll an ihm verbleiben.“ (bei Buḫārī und Muslim überliefert)

 

 

Inhalt der Predigt

Die Gnade der Sicherheit und Stabilität gehört zu den größten Gnaden Gotte, des Erhabenen. Ohne diese wird man die innere Ruhe nicht finden und das Leben nicht genießen, auch wenn er alles im Leben zur Verfügung hätte. Die Glückseligkeit im Leben hängt von der Sicherheit und Stabilität ab. In der prophetischen Überlieferung heißt es: „Wer von euch aufsteht, sicher in seinem Heim, gesund an seinem Körper, die bloße Menge an Nahrung, die er für den Tag benötigt, besitzt, dann ist es so, als wäre für ihn die gesamte Welt eingefangen und mit allem, was darin ist!“ (bei Termiḏī überliefert)

Die Gnade der Sicherheit und Stabilität ist ein Anliegen jedes Geschöpfes auf Erde. Der Prophet Abraham suchte danach und bat Gott darum für seine Leute und Volk. Der Koran erwähnt den Propheten Abraham in diesem Kontext:

„Und als Abraham sagte: Mein Herr, mach dies zu einem sicheren Ort und gib Früchte den dort Wohnenden …“ (al-Baqara 2:126)

Abraham nannte hier die Sicherheit vor der Versorgung, weil die zweite ohne den ersten keinen Sinn hat. Erst mit dem Vorhandensein der Sicherheit kann man das Leben genießen. Gott erhörte das Bittgebet Abrahams und machte Mekka zu einem sicher Ort. Abraham nennt sogar in seinem Bittgebet die Sicherheit vor dem Glauben/ Monotheismus, als er sagt:

„Mein Herr, mache diese Stadt zu einer Stätte des Friedens und bewahre mich und meine Kinder davor, die Götzen anzubeten …“ (Ibrāhīm 14:35)

Diese beiden Dinge, Sicherheit und Stabilität, nennt Gott für die Bewohner von Mekka als große Gnade, wenn Er, der Erhabene, sagt:

„So sollen sie (die Leute in Mekka) denn dem Herrn dieses Hauses dienen, Der sie speist, nachdem sie gehungert haben, und ihnen Sicherheit gewährleistet, nachdem sie in Angst lebten!“ (Quraiš 106:1-4)

„Haben sie denn nicht gesehen, dass Wir ein Schutzgebiet sicher gemacht haben, während die (anderen) Menschen in ihrer Umgebung hinweggerissen werden? Wollen sie da noch an (etwas) Falsches glauben und die Huld Gottes leugnen?“ (al-ʿAnkabūt 29:67)

Durch Sicherheit und Stabilität werden sich die Nationen und Gesellschaften entwickeln. Dies bringt der Koran im Hinblick auf das Volk von Sabaʾ zum Ausdruck:

„Und Wir setzten zwischen sie und die Städte, die Wir gesegnet hatten, (andere) hochragende Städte, und Wir erleichterten das Reisen zwischen ihnen: Reist zwischen ihnen bei Tag und Nacht in Sicherheit umher. (Sabaʾ 34:18)

Das Fehlen der Sicherheit und der Stabilität wirkt negativ auf Land und Leute auch im Hinblick auf Gottesanbetung aus. Diese stellt das Ziel, für das der Mensch geschöpft wurde, dar. So sehen wir, dass das rituelle Gebet im Falle der Sicherheit anders als im Falle der Angst verrichtet wird. In beiden Fällen gibt es unterschiedliche Verordnungen, wie man das verrichten soll. Auch zu den Bedingungen der Verpflichtung der Pilgerfahrt gehört, dass man Sicherheit genießt. Sonst gilt sie nicht mehr als Pflicht. Aus diesem Grunde werden die Gottesanbetungen erst in Ordnung verrichtet, wenn es Sicherheit und der Stabilität gibt. Diese beiden sind also eine religiöse und nationale Notwendigkeit und ein großes Ziel der Religion. Darauf ist die Gesellschaft angewiesen.

Zu den wichtigen Faktoren der Stabilität gehört, dass man seine Heimat liebt und deren Wert schätzt. Der Prophet lehrt uns diese Liebe, als er von seiner Heimat Mekka nach Medina auswandern musste. Er spricht Mekka an: „Bei Gott, du bist das beste Land Gottes und das beliebteste Land zu Gott. Hätte man mich von dir nicht vertrieben, dann wäre ich nicht gegangen“

In einer anderen Überlieferung sagt er in diesem Kontext über die Liebe zur Heimat (Mekka): „Was für ein gutes Land bist du und wie lieb du für mich bist. Hätten mich deine Leute nicht vertrieben, hätte ich nicht in einem anderen Ort gewohnt.“

Der Prophet Muḥammad, Gottes Segen und Heil auf ihm, pflegt auch Gott darum zu beten, dass er ihm die neue Heimat Medina lieb macht, weil von dieser Liebe die Sicherheit und Stabilität in Heimaten abhängig sind. ʿĀiša, Gottes Wohlgefallen auf ihr, überliefert, dass der Prophet Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagt: „Gott möge für uns die Medina genauso lieb machen, wie er uns Mekka lieben ließ“

Der Muslim soll seine Heimat lieben und sie beschützen. Für denjenigen, der sich um seine Heimat kümmert und daran arbeitet, dass sie sich entwickelt und fortgeschritten wird, bestimmte der Islam einen großen Lohn. In einem Ḥadīṯ heißt es: „Zwei Augen werden vom Höllenfeuer niemals berührt: ein Auge, das aus demütiger Ehrfurcht gegenüber Gott weinte, und eins, das um Gottes willen nachts wacht.“ (bei Termiḏī überliefert)

So gehört die Liebe zur Heimat zur Religion und ist ein Faktor zur Entwicklung und zum Fortschritt der Heimaten. Man darf auf die zerstörerischen Aufrufe nicht hören.

Zu den Faktoren der Stabilität gehört auch, dass die Menschen Vereinigung und Gemeinschaft suchen sich vor Zwietracht und Uneinigkeit schützen. Dazu sagt der Koran:

„… und hadert nicht miteinander, damit ihr nicht versaget und euch die Kampfkraft nicht verlässt. Seid geduldig; wahrlich, Gott ist mit den Geduldigen.“ (Al-Anfāl 8:46)

„Und helft einander in Rechtschaffenheit und Frömmigkeit; doch helft einander nicht in Sünde und Übertretung.“ (Al-Māʾida 4:2)

Auch der Prophet, Gottes Segen und Frieden auf ihm, sagte, während er seine Finger ineinander verschränkte: „Die Gläubigen sind wie ein Gebäude. Einer stützt den anderen.“ (bei Buḫārī und Muslim überliefert)

Zu den entscheiden Faktoren, die zur Stabilität in den Heimaten führen, gehört der Gehorsam gegenüber den Befehlshabern, solange es sich nicht um eine Sünde handelt. Im Koran heißt es:

O ihr, die ihr glaubt, gehorcht Gott und gehorcht dem Gesandten und denen, die unter euch Befehlsgewalt besitzen. Und wenn ihr über etwas streitet, so bringt es vor Gott und den Gesandten, wenn ihr an Gott glaubt und an den Jüngsten Tag. Das ist das Beste und nimmt am ehesten einen guten Ausgang.“ (an-Nisāʾ 4:59)

Es gibt viele Hadīṯe, die bezeugen, dass der Gehorsam der Herrscher ein Gehorsam Gottes ist und dass man sie aus religiösen Gründen respektieren soll:

Abū Huraira berichtet: Ich hörte den Gesandten Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagen: „Wer mir gehorcht, der gehorcht Gott und wer mir nicht gehorcht, der gehorcht Gott nicht. Wer den Herrscher gehorcht, der gehorcht mir und wer dem Herrscher nicht gehorcht, der gehorcht mir nicht. Der Imam ist ein Schutz, hinter ihm man kämpfen soll und durch den man geschützt wird. Wenn er mit Gottesfurcht und Gerechtigkeit befiehlt, so wird dafür (von Gott) belohnt und wenn er anders anordnet, dann gilt das gegen ihn.“ (überliefert bei Buḫārī)

Von Abū Huraira wird überliefert, dass der Gesandte Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Wer (dem Herrscher) nicht gehorcht und die (muslimische) Gemeinde verlässt und dabei stirbt, der stirbt wie die Leute vor dem Islam (ğāhilīya). Wer unter einem unbekannten (zwischen Gutem und Bösem nicht unterscheidend) und rassistischen Banner kämpft und dabei stirbt, der stirbt wie die Leute vor dem Islam (ğāhilīya). (Bei Muslim überliefert)

Der Grund, warum man im Islam dem Herrscher gehrechen und nicht gegen ihn rebellieren soll, liegt darin, dass es in der Rebellion mehr Unheil als Nutz für Land und Leute gibt. So werden dabei Menschenrechte, Ehre und Eigentümer verletzt aber auch unschuldige Menschen getötet und verbotene Dinge gemacht.

Die Stabilität in Heimaten wird ferner durch zerstörerische Aufrufe und Versuchungen im Allgemeinen bedroht. Diese haben katastrophale Folge auf das Zusammenleben in der Gesellschaft. Werte der Aussöhnung, Liebe und Freundlichkeit unter Menschen werden dadurch bedroht und durch Hass und Zwietracht ersetzt. In diesem Fall wird die Zerstörung das unbedingte Ende sein:

„Und haltet insgesamt an Gottes Seil fest, und zerfallet nicht, und gedenket der Gnade Gottes gegen euch, da ihr Feinde waret, und Er eure Herzen so zusammenschloss, dass ihr durch Seine Gnade Brüder wurdet; und da ihr am Rande einer Feuergrube waret, und Er euch ihr entriss. So macht Gott euch Seine Zeichen klar, auf dass ihr euch rechtleiten lassen möget.“ (Āl Imrān 3:103)

Der Prophet, Friede und Segen auf ihm, warnt in vielen Ḥadīṯen vor diesen Versuchungen und Drangsalen und macht seine Gemeinde darauf aufmerksam, dass sie dabei sehr vorsichtig, zurückhaltend und vor allem geduldig sein sollten:

Von Abū Huraira wird überliefert, dass der Gesandte Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Es wird eine Zeit der Drangsale und Versuchungen kommen, in der es dem Sitzenden besser als dem Stehenden, und dem Stehenden besser als dem Gehenden, und dem Gehenden besser als dem geht, der sich daran beteiligt, was sich um ihn herum abspielt. Wer die Versuchungen jener Zeit erstreben wird, wird daran zugrunde gehen. Und wer in jener Zeit einen Zufluchtsort finden wird, der soll an ihm verbleiben.“ (bei Buḫārī und Muslim überliefert)

Auch der Koran warnt vor diesen Versuchungen und Prüfungen an vielen Stellen:

„Und hütet euch vor einer Drangsal, die gewiss nicht bloß die unter euch treffen wird, die Unrecht getan haben. Und wisset, dass Gott streng im Strafen ist.“ (al-Anfāl 8:25)

Die zerstörerischen Aufrufe, die von Leuten kommen, die wenig Glauben und schwache Herze und vor allem terroristisches Denken haben, gelten als Hindernis vor Stabilität der Heimaten.  Dadurch werden die Zwietracht und der Streit unter Bürgern gesät. Dass man die Religion durch leere Parolen und Ideologien für politische Interesse einsetzt, mündet in die Destruktion der Gesellschaften. Jene, die Versuchungen und Unheil unter Menschen stiften und verbreiten, haben im Koran eine schmerzliche Strafe:

„Wahrlich, jenen, die wünschen, dass sich Unzucht unter den Gläubigen verbreite, wird im Diesseits und im Jenseits eine schmerzliche Strafe zuteil sein. Und Gott weiß, und ihr wisset nicht.“ (an-Nūr 24:19)

Auf diese zerstörerischen Aufrufe darf man im Islam nicht hören. Sie gelten als Brennstoff für terroristisches Denken und führen zur Zerstörung der Gesellschaft. Unsere islamische Religion ruft uns vielmehr zur Sicherheit und Stabilität und verurteilt jede Art des Terrorismus und der Aggression.

Über die die Notwendigkeit der kollektiven Idschtihad

Mokhtar

D / Mukhtar Mohamed Juma
Minister Awqaf

Unsere islamische Gemeinde leidet unter den absurden Fetwas und Meinungen. Inkompetente Scheingelehrte  und Nichtfachleute, die sich ausschließlich für Ruf, Berühmtheit und Ansehen interessieren, suchen fiberhaft nach absurden und ungewöhnlichen Meinungen, damit sie die Menschen zu sich anziehen und damit sie ihrem eigenen Interesse und ihren Organisationen dienen.

Heutzutage begegnen wir einer neuen komplexen Situation, wo sich viele Fragen ineinander verflechten. Einige dieser neuen Fragen stehen nicht im Einklang mit früheren Fetwas und den Meinungen früherer Gelehrten. Denn diese erteilten ihre Fetwas gemäß dem Geist ihrer Zeit und ihres Ortes. Nichtfachleute und Scheingelehrte verstehen jedoch nicht den Bezugsrahmen dieser Fetwas und die Bedingungen, von denen diese Fetwas abhängig sind (al-manāṭ). Sie beziehen die alten Meinungen auf unser Leben, ohne den neuen Kontext und die heutigen Bedingungen genau zu kennen und zu untersuchen. Sie sind darüber hinaus mit den Voraussetzungen des Analogieschlusses nicht im Klaren. Aus diesem Grunde scheint heutzutage der kollektive Idschtihad (al-iğtihād al-ğmāʿī) eine Notwendigkeit zu sein, im Sinne dass die Geehrten gemeinsam im Rahmen der islamischen Rechtstheorie Normen durch eigenständige Urteilsbemühung finden.

Vor diesem Hintergrund kam der Ruf des Großscheiches der Al-Azhar Prof. Dr. Aḥmad aṭ-Ṭaiyib zum kollektiven Idschtihad (al-iğtihād al-ğmāʿī) in seinem Beitrag „Ansicht der Imame und Gelehrten zur Erneuerung des islamischen Diskurses und zur Aufhebung des terroristischen Denkens“ bei der Eröffnung der von dem Höchsten Rat für Islamische Angelegenheiten organisierten Konferenz.

Beim kollektiven Idschtihad geht es darum, dass Gelehrte, die sich für Probleme und Herausforderungen der islamischen Gemeinde interessieren, aus der ganzen Welt eingeladen werden, um aktuelle akute Fragen zu diskutieren. Dazu gehören Fragen des Terrors und der Begriffsbestimmung von „Haus des Islam“, aber auch wie man das Problem bekämpft, dass sich einige (Muslime) Gewaltgruppen anschließen, Gewalt gegen die Gesellschaft treiben und sie hassen, sich selbst erlauben, andere Bürger zu töten und bombardieren. Auch folgende Themen sollten beim kollektiven Idschtihad zur Diskussion gestellt werden: Menschenrechte, menschliche Freiheit, soziale Fragen vor allem über Frauen, astronomische Festlegung des Beginnes der neuen Monaten im Mondkalender, Fragen der Pilgerfahrt vor allem der Zustand der Weihe in der Pilgerfahrt in Mekka (iḥrām) aus dem Ort Dschidda per Luft oder Land, die rechtlichen Bestimmungen bezüglich der zeitlichen Regelungen für das Steinenwerfen während der Pilgerfahrt und viele andere Fragen, die unmittelbar mit dem Schutz der Heimat, den Interessen und Bedürfnissen der Menschen in ihrer Zeit und Umgebung zu tun haben. Die Gelehrten sollten auch Fetwas erteilen, die die Arbeit als Pflicht machen und die Vernachlässigung und Faulheit verbieten. Man darf aber bei diesen heiklen Fragen  nicht verallgemeinern und pauschalisieren, sodass nichts vor Ort und in Wirklichkeit ändert.

Der kollektive Idschtihad wird ohnehin sehr dazu beitragen, die absurden Meinungen zu und die Gründe für Terror beseitigen. Die Konferenz, die vom Höchsten Rat für Islamische Angelegenheiten organisiert wurde, fasste die Gründe des Terrors und der absurden Meinungen folgendermaßen zusammen:

  • Verschlossenheit, Stagnation, blinde Nachahmung, Missverstehen bzw. das buchstäbliche Verstehen der Texte, Nichtberücksichtigung der Zielsetzungen der Scharia, das Nichtverstehen der allgemeinen Regeln der islamischen Gesetzgebung und das Beschäftigen der Nichtfachleute mit islamischen Angelegenheiten.
  • Viele Gruppen und Organisationen nehmen die Religion als Handel und nützen sie aus, um politische und parteiische Interessen zu vertreten und gewinnen, indem sie ihr Interesse vor denen der Heimat und des Staates bevorzugten. Auch die formelle und politische Religiosität spielt dabei insofern eine Rolle, als sie die aufrichtige Religiosität, die eigentlich ausschließlich für Gott sein sollte, ersetzte.
  • Kolonialmächten ist es gelungen, Anhänger für sie aus arabisch-islamischen Ländern zu manipulieren und zu gewinnen, sei es durch gegenseitige Interessen, unwahre Versprechen für einige Gruppierungen oder durch das sogenannte Kaufen von Loyalitäten.

Schließlich führt der kollektive Idschtihad zur Annäherung zwischen Gelehrten und beseitigt viele Gründe der Trennung und Zwietracht zwischen ihnen sowie die absurden, von der Norm abweichenden, irregehenden und terroristischen Gedanken.

Formale und politische Religiosität

أ.د/ محمد مختار جمعة وزير الأوقاف

D / Mukhtar Mohamed Juma Minister Awqaf

Das Phänomen der formalen und politischen Religiosität gilt als gefährliche Herausforderung vor den arabisch-islamischen Gesellschaften. Was die formale Religiosität betrifft, so konzentrieren sich die Leute dabei auf die Form und das Aussehen auf Kosten des Gehaltes und Inhaltes. Sie schenken dem formalen Aussehen die erste absolute Priorität, wobei sie die menschliche und moralische Ebene vernachlässigen. Sie verlieren in diesem Sinne das treffliche Vorbild, indem ihr Aussehen mit den Lehren des Islam nicht übereinstimmt. Dadurch schrecken sie die Menschen von der wahren Religion ab.

Die Sache wird so gefährlich, wenn die formale Religiosität nicht mit dem guten Handeln im Einklang steht, indem man beispielsweise lügt, betrügt, täuscht oder andere manipuliert. Durch solches Verhalten wird man gemäß einer prophetischen Überlieferung zu Heuchlern gehören: „Die Kennzeichen eines Heuchlers sind drei: Wenn er spricht, lügt er, wenn er etwas verspricht, bricht er sein Versprechen, wenn man ihm etwas anvertraut, verhält er sich untreu.“ (Überliefert bei al-Buḫārī)

Es ist auch ein Problem, wenn man die Religion auf die Gottesanbetung beschränkt und die Religion nicht richtig versteht, indem man andere zu schnell mit Unglauben bezichtigt und gegen die Menschen kämpft. Dies geschah in der Frühphase des Islames mit den Kharidschiten. Diese waren in Bezug auf die Gottesanbetung sehr bemüht, zeichneten sich jedoch nicht mit genügendem rechtlichem Wissen. Hätten sie sich das Wissen zuerst angeeignet, dann hätte es sie daran gehindert, andere Menschen zu töten, so Imam aš-Šahfiʿī. Der Islam ist eine Religion der Barmherzigkeit und alles, was von dieser Barmherzigkeit ablenkt, lenkt vom Islam auch ab. Im Islam geht es einfach um das Verhalten und nicht um das Sagen. Eine arabische Weisheit sagt: Das Handeln einer Person kann tausend Menschen effektiver beeinflussen, als dass tausend Leute eine Person predigen.

Wir müssen in diesem Zusammenhang davon ausgehen, dass der Sinn der Gottesanbetung darin liegt, den Charakter und die Moral zu verfeinern. So gilt das Gebet als Mittel, das von schändlichen und abscheulichen Dingen abhält:

„… und verrichte das Gebet. Wahrlich, das Gebet hält von schändlichen und abscheulichen Dingen ab; und Allahs zu gedenken, ist gewiss das Höchste. Und Allah weiß, was ihr begeht.“ (Koran, Sure al-ʿAnkabūt 29:45)

Auch das Fasten dient zur Gottesfurcht und deshalb hat das Fasten keinen Sinn, wenn es den Fastenden an der Lüge und Falschheit nicht hindert. Vor diesem Hintergrund sagt der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm): „Wer das Lügen und schlechte Taten nicht unterlässt, von dem braucht Gott nicht, dass er auf sein Essen und Trinken verzichtet!“ (Überliefert bei al-Buḫārī). Auch die Spenden und die soziale Abgabe (Zakā) akzeptiert Gott nur aus dem guten und reinen Geld. In einer prophetischen Überlieferung heißt es: „Gott ist gut und akzeptiert nur das, was Gutes ist“ und „Kein Gebet wird ohne Reinigung und keine Spende wird aus Täuschen angenommen“ (Beide bei Muslim überliefert). Dies bezieht sich auch auf die Pilgerfahrt, denn sie wird erst von Gott akzeptiert, wenn diese von guter Moral begleitet ist. Deshalb sagt der Prophet Muhammad (Friede und Segen auf ihm): „Man reist für lange Zeit und macht sich dabei die Mühe. Er hebt seine Hände zum Himmel und ruft Gott „o meine Herr, o meine Herr“, wobei man sein Essen, sein Trinken und seine Kleidung auf verbotenen Wegen erwarb und er sich durch Verbotenes ernähren lässt. Wie kann dann von dieser Person (Bittgebete) erhört werden.“ (Überliefert bei Muslim)

Noch gefährlicher als die formale Religiosität ist die politische Religiosität. Wir meinen damit diejenigen, die die Religion als Mittel nehmen um politische und strategische Ziele zu erreichen. Diese spielen mit den Gefühlen der einfachen Leute, damit sie auf der Macht kommen. Wir können bestimmt die Absichten der Menschen nicht beurteilen, weil dies eine Angelegenheit zwischen dem Menschen und seinem Herrn. Wir haben jedoch diese Erfahrung mit der Muslimbruderschaft erlebt, wo die Islamisten ihre eigenen Ziele hatten. Wir haben zwei Dinge hier zu unterstreichen. Erstens ging es bei diesen Leuten nicht um die Religion, sondern um Macht und Politik. Dieses Verhalten hat das Islambild bei vielen Menschen beeinträchtigt. Zweitens haben die Islamisten durch dieses Verhalten die Religion und deren tolerante und kulturelle Rolle missbraucht und gezeigt, dass sie keine Fachleute im politischen Sinne sind und dass sie nicht in der Lage sind zu regieren. Durch einige ungeschickte Entscheidungen und Maßnahmen wurde auf Erde Unheil gestiftet. Dies steht im Widerspruch zur Loyalität und Liebe zur Heimat. Deshalb sind wir der Überzeugung, dass diese Gruppierungen ihren eigenen Zielen auf Kosten ihrer Religion, Heimat und muslimischen Gemeinde dienen.

Über die Notwendigkeit der arabischen Solidarität und der nationalen Loyalität im Kampf gegen den Terrorismus und die neuen Herausforderungen

awkaf

Einteilung der Predigt

  • Der Ruf des Islam zur Einigung und Kooperation
  • Gefahr der Uneinigkeit und Zwietracht
  • Loyalität zur Heimat ist ein religiöses Anliegen und eine nationale Pflicht.
  • Die arabische und islamische Solidarität ist eine Notwendigkeit.
  • Auswirkung der arabischen Solidarität auf die Bekämpfung des Terrorismus und das Meistern der neuen Herausforderungen

           

Belege aus dem Koran

  1. „Und haltet insgesamt an Gottes Seil fest, und zerfallet nicht, und gedenket der Gnade Gottes gegen euch, da ihr Feinde waret, und Er eure Herzen so zusammenschloss, dass ihr durch Seine Gnade Brüder wurdet; und da ihr am Rande einer Feuergrube waret, und Er euch ihr entriss. So macht Gott euch Seine Zeichen klar, auf dass ihr euch rechtleiten lassen möget.“ (Āl Imrān 3:103)
  1. „Und seid nicht wie jene, die gespalten und uneins sind, nachdem die deutlichen Zeichen zu ihnen kamen; und jene erwartet eine schmerzliche Strafe.„ (Āl Imrān 3:105)
  2. „Und gehorcht Gott und Seinem Gesandten und hadert nicht miteinander, damit ihr nicht versaget und euch die Kampfkraft nicht verlässt. Seid geduldig; wahrlich, Gott ist mit den Geduldigen.“ (Al-Anfāl 8:46)
  3. „Und helft einander in Rechtschaffenheit und Frömmigkeit; doch helft einander nicht in Sünde und Übertretung.“ (Al-Māʾida 4:2)
  4. „Die Gläubigen sind ja Brüder.“ (Al-Ḥuğrāt 49:10)
  5. „Diese eure Gemeinschaft ist eine einheitliche Gemeinschaft; und Ich bin euer Herr, darum dient Mir.“ (Al-Anbīyāʾ 21:92)
  6. „Und dies ist Mein gerader Weg. So folgt ihm; und folgt nicht den (verschiedenen) Wegen, damit sie euch nicht weitab von Seinem Weg führen. Das ist es, was Er euch gebietet, auf daß ihr gottesfürchtig sein möget.“ (Al-Anʿām 5:153)

Belege aus der Sunna

  1. An-Nuʿmān Ibn Baschier, Gottes Wohlgefallen auf ihm, berichtete, dass der Gesandte Gottes, Gottes Segen und Heil auf ihm, sagte: Die Gläubigen in ihrer Zuneigung, Barmherzigkeit und Mitleid zueinander sind einem Körper gleich: Wenn ein Teil davon leidet, reagiert der ganze Körper mit Schlaflosigkeit und Fieber! (bei Muslim überliefert)
  2. Abū Mūsā Al-Ašʿarī, berichtet, dass der Prophet, Gottes Wohlgefallen auf ihm sagte, während er seine Finger ineinander verschränkte: Die Gläubigen sind wie ein Gebäude. Einer stützt den anderen.“ (bei Buḫārī überliefert)
  3. An-Nu’man ibn Baschir Es überliefert, dass der Prophet (s) sagte: „Das Gleichnis eines Menschen, der die Gebote Allāhs einhält und desjenigen, der diese missachtet, ist denjenigen gleich, die ihre Plätze auf einem Schiff durch ein Los teilten: Einige von ihnen erhielten die oberen Plätze und die anderen die unteren. Es geschah dann, dass diejenigen, die sich unten aufhielten, immer an den Leuten vorbeigehen mussten, die sich oben befanden, um Trinkwasser zu holen. Da sagten diese: ´Was haltet ihr davon, wenn wir ein Loch in unser Abteil bohrten und die Leute über uns nicht mehr belästigen?´ Wenn die Leute (oben) dies zulassen würden, was die anderen zu tun beabsichtigen, so würden alle zusammen zugrunde gehen; und wenn sie sie mit der Tatkraft davon abhalten würden, so retteten sie sich selbst und alle anderen mit“ (überliefert bei Buḫārī)
  4. Abū Huraira überliefert, dass der Gesandte Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagt: Gott will für euch drei Dinge und hasst von euch drei Dinge. Er will von euch, dass ihr Ihm dient und Ihm nichts beigesellt. Auch will Er von euch, dass ihr insgesamt an Gottes Seil festhaltet, und nicht zerfallet. Von euch hasst er das zu viel Hin- und Herreden, die zu vielen Fragen und die Geldverschwendung. (überliefert bei Muslim)
  5. ʿAbdullāh ibn ʿUmar berichtet, dass der Gesandte Gottes, Friede und Segen auf ihm, sagte: „Der Muslim ist des Muslim Bruder. Weder unterdrückt er ihn noch gibt er ihn preis. Wer sich für die Sache seines Bruders einsetzt, für dessen Sache setzt Gott sich ein. Und wer einen Muslim von einem Kummer befreit, den wird Gott dafür von einem Kummer am Tage der Auferstehung befreien. Und wer die Blöße eines Muslims deckt, dessen Blöße deckt Gott am Tage der Auferstehung. (bei Buḫārī und Muslim überliefert)
  6. Anas berichtete, dass der Prophet, Gottes Segen und Friede auf ihm, sagte: „Keiner von euch darf sich als gläubig ansehen, bis er seinem Bruder auch dasselbe gönnt, was er sich selbst gönnt.“ (bei Buḫārī überliefert)

Inhalt der Predigt

Der Islam ist eine Religion, die zu den menschlichen und ethischen Werten aufruft. Er ruft dazu nicht nur im Hinblick auf seine Anhänger, sondern im Hinblick auf die ganze Menschheit. Er treibt seine Anhänger dazu, diese Werte unter sich zu verbreiten. Dazu gehört sein Ruf zur Einigung, Zusammenarbeit, Kooperation, Versöhnung, gegenseitigen Zuneigung, Solidarität, Brüderlichkeit und gegenseitigen Hilfe mit dem Ziel, den sozialen Frieden zu verwirklichen, sodass die Menschen wie  ein homogener Körper werden. Dafür appellieren die Texte aus dem Koran und der Sunna des Propheten Muḥammad (Gottes Frieden und Segen auf ihm):

„Und haltet insgesamt an Gottes Seil fest, und zerfallet nicht, und gedenket der Gnade Gottes gegen euch, da ihr Feinde waret, und Er eure Herzen so zusammenschloss, dass ihr durch Seine Gnade Brüder wurdet; und da ihr am Rande einer Feuergrube waret, und Er euch ihr entriss. So macht Gott euch Seine Zeichen klar, auf dass ihr euch rechtleiten lassen möget.“ (Āl Imrān 3:103)

„Und helft einander in Rechtschaffenheit und Frömmigkeit; doch helft einander nicht in Sünde und Übertretung.“ (Al-Māʾida 4:2)

Die prophetischen Ḥadīṯe treiben auch die Muslime dazu, sich zu einigen und gegen einander solidarisch zu sein. An-Nuʿmān Ibn Bašīr, Gottes Wohlgefallen auf ihm, berichtete: Der Gesandte Gottes, Gottes Segen und Heil auf ihm, sagte: „Die Gläubigen in ihrer Zuneigung, Barmherzigkeit und Mitleid zueinander sind einem Körper gleich: Wenn ein Teil davon leidet, reagiert der ganze Körper mit Schlaflosigkeit und Fieber!“ (bei Muslim überliefert)

ʿAbdullāh ibn ʿUmar, Gottes Wohlgefallen auf ihm, berichtete: Der Gesandte Gottes, Gottes Segen und Heil auf ihm, sagte:  Der Gesandte Gottes sprach: „Der Muslim ist des Muslim Bruder. Weder unterdrückt er ihn noch gibt er ihn preis. Wer sich für die Sache seines Bruders einsetzt, für dessen Sache setzt Gott sich ein. Und wer einen Muslim von einem Kummer befreit, den wird Gott dafür von einem Kummer am Tage der Auferstehung befreien. Und wer die Blöße eines Muslims deckt, dessen Blöße deckt Gott am Tage der Auferstehung.“ (bei Buḫārī und Muslim überliefert)

Die Einigkeit der islamischen Gemeinde und die Kooperation unter ihrer Mitglieder in allen Bereichen ist ein grundlegendes unentbehrliches Anliegen. Dies stellt eine Notwendigkeit für jede Gemeinde dar, die nach Erfolg, Fortschritt und Anerkennung sucht und Probleme und Herausforderungen meistern will. Gott, der Erhabene sagt:

„Die Gläubigen sind ja Brüder.“ (Al-Ḥuğrāt 49:10)

Die Gemeinde, die der Islam will, ist eine vereinigte, versöhnte und verbundene Gemeinde. Er, erhaben sei Er, sagt:

„Diese eure Gemeinschaft ist eine einheitliche Gemeinschaft; und Ich bin euer Herr, darum dient Mir.“ (Al-Anbīyāʾ 21:92)

Wie könnte eigentlich diese Gemeinde nicht einheitlich sein, wobei Gott ihren Glauben und ihre rechtlichen Bestimmungen sowie ihre Zielsetzungen und ihren Weg einheitlich gemacht hat. Er, der Erhabene, sagt:

„Und dies ist Mein gerader Weg. So folgt ihm; und folgt nicht den (verschiedenen) Wegen, damit sie euch nicht weitab von Seinem Weg führen. Das ist es, was Er euch gebietet, auf dass ihr gottesfürchtig sein möget.“ (Al-Anʿām 5:153)

Unser Prophet Muḥammad, Gottes Segen und Friede auf ihm, ruft zur Vereinigung und Gemeinschaft auf und warnt vor Zwietracht und Uneinigkeit, wenn er sagt: „Gott will für euch drei Dinge und hasst von euch drei Dinge. Er will von euch, dass ihr Ihm dient und Ihm nichts beigesellt. Auch will Er von euch, dass ihr insgesamt an Gottes Seil festhaltet, und nicht zerfallet. Von euch hasst er das zu viel Hin- und Herreden, die zu vielen Fragen und die Geldverschwendung.“ (überliefert bei Muslim). Der Prophet, Gottes Wohlgefallen auf ihm sagte, während er seine Finger ineinander verschränkte: Die Gläubigen sind wie ein Gebäude. Einer stützt den anderen.“ (bei Buḫārī überliefert)

Man soll deshalb nach der Vereinigung und Gemeinschaft sowie nach Kooperation und Solidarität suchen und die Zwietracht und Trennung meiden. Man soll sich an der islamischen Brüderlichkeit festhalten und sie in allen Bereichen des Lebens praktizieren.

Genauso wie er zur Versöhnung und Vereinigung aufruft, warnt der Islam vor Zwietracht und Uneinigkeit, denn beide sind ein Grund für Schwäche und Untergrund. Gott, der Erhabene, sagt:

„… und hadert nicht miteinander, damit ihr nicht versaget und euch die Kampfkraft nicht verlässt. Seid geduldig; wahrlich, Gott ist mit den Geduldigen.“ (Al-Anfāl 8:46)

In der Zwietracht und Uneinigkeit zwischen Muslimen stecken ungeheure Gefahren und Schaden. Dadurch werden die Muslime miteinander nicht kooperieren und solidarisch sein. Das führt dazu, dass die Gemeinde zerfällt und uneinheitlich wird. Auch ihre Ressourcen und ihre materielle, militärische und vor allem geistige Macht gehen verloren.

Vor allem heute brauchen wir diese nationale Loyalität mehr als je. Wir sollten die Heimat lieben und ihr Interesse vor jedem anderen stellen. Wir sollten sie aufrichtig lieben und vor jeder Partei, Gruppe oder nationalen oder internationalen Organisation bevorzugen. Der Islam schätzt die Liebe zur Heimat und deren Interesse. Als der Prophet Muḥammad, Friede und Segen auf ihm, Mekka verlassen musste, schaute er zu Mekka und sprach es an: „Ich weiß dass du das beste Land Gottes und das beliebteste für Ihn bist. Hätten mich deine Leute nicht vertrieben, dann hätte ich dich nicht verlassen.“ (überliefert bei Aḥmad) Auch als er in Medina aus dem Ort Ḫaibar ankam, zeigte er mit seiner Hand zu Medina und sagte: „O mein Herr, ich mache die Medina genauso heilig (das, was sich zwischen den Grenzen von Medina findet – lābataiha), wie Abraham Mekka heilig gemacht hat. O mein Herr, segne unser Hohlmaß“ (überliefert bei Buḫārī). Der berühmte arabische Dichter Aḥmad Šuqī sagt:

Gegenüber jeder freien Person hat die Heimat bereits eine Gabe und eine zu zahlende Schuld.

Ohnehin erlebt unsere arabische Gemeinde heutzutage schwere Zeiten. Dies verlangt von uns allen Solidarität, Kooperation und Zusammenarbeit, damit wir alle gemeinsam die Herausforderungen meistern können. An-Nu’man ibn Baschir überliefert, dass der Prophet (s) sagte: „Das Gleichnis eines Menschen, der die Gebote Allāhs einhält und desjenigen, der diese missachtet, ist denjenigen gleich, die ihre Plätze auf einem Schiff durch ein Los teilten: Einige von ihnen erhielten die oberen Plätze und die anderen die unteren. Es geschah dann, dass diejenigen, die sich unten aufhielten, immer an den Leuten vorbeigehen mussten, die sich oben befanden, um Trinkwasser zu holen. Da sagten diese: ´Was haltet ihr davon, wenn wir ein Loch in unser Abteil bohrten und die Leute über uns nicht mehr belästigen?´ Wenn die Leute (oben) dies zulassen würden, was die anderen zu tun beabsichtigen, so würden alle zusammen zugrunde gehen; und wenn sie sie mit der Tatkraft davon abhalten würden, so retteten sie sich selbst und alle anderen mit“ (überliefert bei Buḫārī)

Somit wird die arabische Vereinigung und Solidarität zu einer Notwendigkeit um die arabischen Interesse und ihre politischen Strukturen zu schützen und die Interessen und Listen des Kolonialismus zu bekämpfen. Dieser versucht immer wieder, die arabischen Länder zu zerteilen, damit er sie abschwächt und übernimmt.

Durch die arabische Solidarität wird die arabische Gemeinde eine nicht zu besiegende Macht auf dem Gebiet der Politik, Wirtschaft, des Denkens, der Kultur und der Medien. Die arabische Gemeinde hat die Voraussetzungen für diese Macht und die Zusammenarbeit muss auf allen Bereichen, politisch, wirtschaftlich, kulturell und militärisch erfolgen, weil Solidarität sich nicht auf ein bestimmtes Gebiet beschränken lässt. Die Gemeinde braucht diesen Aufschwung auf allen Ebenen. Diese setzt aber von jedem von uns eine harte Arbeit um den Terrorismus und die terroristischen Gruppen zu bekämpfen, die viele Länder unserer Gemeinschaft bedrohen. Unser Ziel ist es, dass unsere Gemeinde und die ganze Welt Sicherheit und Frieden genießt.

Das Phänomen des Terrorismus ist eine der gefährlichsten Herausforderungen, die der arabisch-islamischen Welt begegnen. Dieses Phänomen erschien nicht heute oder gestern, sondern es ist in der Geschichte verankert. Neu ist aber die Tatsache, wie es häufig und brutal jetzt geschieht, wo viele neue Opfer durch verschiedene Formen der Gewalt fallen. Der Terrorismus heutzutage unterscheidet nicht zwischen Männern, Frauen oder Kindern und macht von allem Vernichtungsmitteln Gebrauch. In einigen Fällen geschieht das mit islamischen Parolen, wie Allahu Akbar, Gott ist groß. Gott spricht sich aber davon frei und der Islam wird das niemals legitimieren. Islam ist eine Religion der Toleranz, der Kultur und der Menschlichkeit, die das Leben, Ehren und Vermögen heilig macht.  Gott, der Erhabene, sagt im Koran:

„… und ihr sollt niemanden töten, dessen Leben Gott unverletzlich gemacht hat, außer wenn dies gemäß dem Recht geschieht.“ (Al-Anʿām 6:151)

Auch der Prophet Muḥammad, Friede und Segen auf ihm, sagt: Euer Blut und euer Vermögen ist euch heilig, genauso wie die Heiligkeit dieses Tages (Tag der Pilgerfahrt) in eurem Monat und in diesem euren Land (Mekka) ….“ Er fragte die Pilger dann: „Haben ich euch die Botschaft mitgeteilt“ Sie antworteten: Ja. Dann sagt er: „O Gott, Du bist mein Zeuge.“ (Überliefert bei Muslim und in Musnad bei Aḥmad. Der Wortlaut des Ḥadīṯes hier ist nach Aḥmad)

In den letzten Jahren nahm das Phänomen des Terrorismus zu. Dieses ist nur durch die Solidarität und die Zusammenarbeit zwischen Personen, Gesellschaften und Staaten in allen Bereichen zu bekämpfen und zu besiegen. Die umfassende Kooperation setze voraus, dass wir von den nationalen und internationalen Erfahrungen profitieren. Die islamische Gemeinde hat die Voraussetzungen dafür und bildet diesbezüglich eine Einheit, ihre Religion ist eine, ihr Prophet einer, ihre Gebetsrichtung ist eine und ihre Geschichte und Kultur ist auch eine. Darüber hinaus teilt sie einer gemeinsamen Gegenwart und Zukunft. Jeder von uns soll dementsprechend für das Wohl und das Interesse der arabisch-islamischen Gemeinde arbeiten.

Wir Unterstreichen hier, dass die Kooperation und Solidarität zwischen den arabischen Völkern eine unentbehrliche Notwendigkeit ist, damit wir die aktuellen Herausforderungen meistern können und die arabische nationale Sicherheit und das Interesse der Araber schützen. Terroristische Gruppierungen und  Organisationen müssen sofort mit allen Mitteln bekämpft und ausgerottet werden.

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